Die Teamleistung war entscheidend: RB-Trainer Julian Nagelsmann steht mit seinen Leipzigern im Halbfinale der Champions League.
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LissabonKlar, das Halbfinale zu erreichen, ist für die Spieler von RB Leipzig Motivation genug gewesen. Mit einer Meisterleistung hat die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann am Donnerstagabend für Aufsehen gesorgt. Das 2:1 (0:0) gegen Atlético Madrid beim Blitzturnier der Champions League in Lissabon gibt der Mannschaft weiter Auftrieb: nächster Gegner ist Paris Saint-Germain. Bester Mann auf dem Platz war Leipzigs französischer Abwehrchef Dayot Upamecano. Warum? Dafür hat Nagelsmann eine Erklärung, die auch ihm selber schmeichelt.

„Wahrscheinlich hat ihn das motiviert, dass ich ihn ein Biest genannt habe. Heute war er tatsächlich ein Biest, war von der ersten bis zur letzten Minute konzentriert. Er hat sonst immer mal eine Situation, wo er einen kleinen Leichtsinnsfehler drin hat, das hat er heute gar nicht gehabt. Er hat intelligent gespielt“, sagte der Leipziger Trainer, der Upamecano offenbar mit seiner Ansprache die richtigen Worte mit auf den Weg gegeben hatte. Jedenfalls schwärmte sogar Englands Stürmer-Legende Gary Lineker im TV: „Highlight des Spiels bisher ist es, dem überragenden Dayot Upamecano zuzuschauen.“

Wie Biester müssen Nagelsmann nach der Partie die Fragen nach der Titelchance vorgekommen sein. Aber er lachte diese zotteligen Ungeheuer einfach herzhaft weg. Unter Wert verkaufen wollen sich RB Leipzig und sein junger Trainer auf Europas großer Fußball-Bühne sicher nicht. Aber eine Titelansage, sagte Nagelsmann, werde es nicht geben, „es ist ja selbstredend und selbsterklärend, dass wir jetzt ins Finale kommen wollen“. Niemand redete im Estádio José Alvalade mehr von dem zum FC Chelsea abgewanderten Timo Werner, der via Instagram Glückwünsche an seine früheren Kollegen nach Portugal übermittelte. Leipzigs Torschützen hießen Dani Olmo und Tyler Adams – entscheidend war am Donnerstagabend aber eine taktische Kollektivleistung. Und der Biss von Upamecano.

Es ist nun Nagelsmanns Aufgabe aus dem Erfolg im Viertelfinale eine angemessene Herangehensweise ans Halbfinale zu vermitteln. Understatement haben die Leipziger nach dem souveränen Auftritt im Estádio José Alvalade nicht mehr nötig. „Das ist ja normal, wenn du die nächste Runde erreichst, dass du dann wieder die nächste Runde erreichen möchtest. Das steckt in jedem Fußballerherz drin. Deshalb wollen wir ins Finale, das ist völlig klar“, sagte Nagelsmann.

Was seine Spieler auf dem Weg dorthin beachten müssen? „Gut essen, gut trinken, keinen Alkohol, sondern viel Wasser, den Flüssigkeitshaushalt auffüllen. Viel schlafen, und dann ist das Spiel, was bevorsteht, eine große Sache“, beschrieb der 33-Jährige den Regenerationsplan im Teamhotel im Badeort Cascais. Fünf Tage hat der RB-Coach Zeit, dann wartet am Dienstag Paris Saint-Germain als Halbfinalkontrahent. Und das Trainerduell mit dem deutschen Kollegen Thomas Tuchel.

„Das Verhältnis ist seitdem er bei PSG ist normal. Wir haben noch nie ein extrem inniges Verhältnis gehabt“, sagte Nagelsmann. 2007/2008 kreuzten sich die Wege beim FC Augsburg II als Tuchel für kurze Zeit Nagelsmanns Trainer war. „Das ist lange Jahre her“, meinte der RB-Coach. Für ihn war es sportlich keine glückliche Zeit, ein Meniskusschaden zwang ihn zum Abbruch seiner noch gar nicht richtig begonnen Spielerkarriere.

Nach den Siegen gegen José Mourinhos Tottenham und Diego Simeones Atlético stellt sich Nagelsmann nun mit seiner Taktik der von Tuchel entgegen. Seine Rolle beim nächsten Coup gegen einen unangenehmen Widersacher wollte Nagelsmann allerdings nicht überbewerten: „Ich muss schon festhalten, dass die Mannschaft und wir als Kollektiv Tottenham ausgeschaltet haben und heute Atlético. Da geht es nicht um Trainerduelle gegen Mourinho, Simeone oder jetzt gegen Tuchel. Es ist ein Mannschaftssport und die Mannschaft hat es herausragend gemacht.“

Kapitän Yussuf Poulsen, der zu den Erfahrenen im jungen Leipziger Team zählt, lenkte den Blick auf die erstaunliche Entwicklung, die RB zuletzt durchgemacht hat: „Das ist eine außergewöhnliche Geschichte. Von der 3. Liga bis ins Champions-League-Halbfinale. Das gab es noch nie, weder für einen Verein noch für einen Spieler. Deshalb ist es großartig“, sagte er. Denn aktuell gehört RB bereits zu den Top-Vier-Klubs in Europa.