Vor einem Jahr feierten die Eisernen den Aufstieg in die Bundesliga.
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Berlin-KöpenickEs ist auch zwölf Monate danach ein wahrer Glücksfall, der dem 1. FC Union heute auf den Tag genau vor einem Jahr passiert ist. Das ist 1964 nicht einmal Bayern München gelungen und 1968 nicht Bayer Leverkusen. Die einen sind, ernsthaft, an Borussia Neunkirchen gescheitert, die anderen, ebenso unvorstellbar, an Kickers Offenbach.

Mit anderen Worten: Sowohl die Bayern, inzwischen deutscher Rekordmeister, als auch der aktuelle Champions-League-Kandidat Bayer haben, als sie erstmals am Aufstieg in die Bundesliga schnupperten, versagt. Sie mussten in die Strafrunde(n). Den Münchnern genügte eine, die Leverkusener schafften es erst elf Jahre später. Deshalb bleibt das, was die Männer aus der Wuhlheide aus dem Stand – naja, mit ihrem ersten ernsthaften Anlauf – gepackt haben, den Aufstieg in die Eliteliga, die blanke Magie.

Denn die Geschichte zeigt, dass sich manche bei ihren Versuchen, die Erstklassigkeit in ihr Stadion zu holen, verhoben haben. Sie sind daran schier zerbrochen. Viele haben zumindest Rotz und Wasser geheult. Das Paradebeispiel, nennen wir es so, dabei ist es bei einem solchen Dilemma das eigentlich falsche Wort, ist der FSV Mainz 05. Was der heutige Gegner der Eisernen gelitten hat, wie erschlagen, gedemütigt und leer er sich vorgekommen sein muss, ist kaum in Worte zu fassen.

Ein Eisern-Fan muss sich das so vorstellen, als hätten die Stuttgarter vor einem Jahr in der vierten Minute der Nachspielzeit, es hat fünf gegeben, doch noch das Siegtor erzielt und die Männer um Trainer Urs Fischer wären Zweitligist geblieben. Im Gegensatz dazu haben die Mainzer genau so etwas erlebt, zumal in der Alten Försterei. Als Tabellenzweiter kommen sie zum Saisonfinale 2001/02, mit einem Punkt sind sie sicher oben, das erste Mal. 90 Minuten später jedoch erleben die Nullfünfer die schwärzeste Stunde ihrer Historie. Es ist, sportlich gesehen, die Hölle: Sie verlieren 1:3 und rutschen auf Rang 4 ab. Da kommen selbst Jürgen Klopp, dem damaligen Trainer, die Tränen.

Damit ist das Leiden der Rheinhessen aber noch lange nicht zu Ende. Ein Jahr später, noch dramatischer, ziehen sie um ein lächerliches Tor, obwohl sie mit 64 die meisten in der Liga erzielen, den Kürzeren. Auch noch gegen Eintracht Frankfurt, so etwas wie ihr Lieblingsfeind. Für manchen sind aller guten Dinge drei. So auch für die Nullfünfer und für Jürgen Klopp. 2004 endlich haben sie es geschafft, dabei hätte es wiederum in die Hose gehen können. Vor dem letzten Spieltag nämlich ist Alemannia Aachen Dritter mit 53 Punkten, danach erst sind es die Mainzer mit 54, und gegenüber Energie Cottbus haben sie ein Plus von ganzen sieben Toren. So komisch geht manchmal Aufstieg.

Was das für die Eisernen bedeutet? Sie mögen, anders als die Nullfünfer, ihrem erfolgreichen ersten Mal treu bleiben. Im Hinspiel hat es mit 3:2 einen Auswärtssieg gegeben – es war der erste für Kapitän Christopher Trimmel und seine Mitspieler in der Bundesliga. Ein Dreier heute wäre, da es mit einem Gegner auf Augenhöhe ein Sechs-Punkte-Spiel ist, ein eminent wichtiger und – der erste nach der Corona-Zwangspause. Es wäre zudem der erste Heimsieg gegen die Mainzer nach dem 3:1 vor 18 Jahren. Damals spielten die Männer aus Köpenick übrigens ihre erste Saison in der Zweiten Liga. So wie diesmal in der Bundesliga. Jungs, alles andere liegt an euch!