Von der breiteren Öffentlichkeit eher unbemerkt offenbarte sich am Dienstagabend ein Problem beim 1.FC Union. Urs Fischer, Trainer des Zweitligisten, merkte nach dem 1:3 im Testspiel gegen Altglienicke an, dass er nicht genügend Kicker in seinem Kader hat, um allen Spielern eine Doppelbelastung zu ersparen. „Natürlich war es nicht ganz optimal, dass einige auch schon die Reise nach Köln mitgemacht hatten. Aber es geht nicht anders. Auch wenn so ein Stress mit den Reisestrapazen in den Knochen nicht ganz so einfach war“, erklärte der 52-Jährige am Tag nach der Rückkehr aus Köln (1:1).

Bis dato war man gemeinhin ja davon ausgegangen, dass die Eisernen mit ihrem 28 Mann großen Aufgebot eher etwas überdimensioniert denn mit einem Mangel zum Ligaauftakt daherkommen. Und der Kader soll ja sogar noch erweitert werden. Die Stürmersuche der Eisernen ist bekannt, denn nur mit einem Sebastian Andersson die nächsten Wochen bestreiten zu wollen, halten die Köpenicker für riskant. Bis Sebastian Polter zurückkehrt, vergehen noch einige Wochen. „Wir sind bemüht, den Kader im Bereich Offensive und Sturm zu ergänzen. Daran arbeiten wir mit Hochdruck“, erklärte Unions Geschäftsführer Sport, Oliver Ruhnert.

Polter als Problem

Kurioserweise wird da übrigens ausgerechnet der stets so loyale Polter zu einem Problem für den Manager. Denn welcher Angreifer mit einer gewissen Qualität, also Startelfansprüchen, soll sich freiwillig in die Falle begeben, auf einmal nur noch die Nummer 3 im Sturm zu sein, wenn ein für Zweitligaverhältnisse Hochkaräter wie Polter plangemäß ab Oktober wieder voll mitmischen wird. „Das stimmt leider. Spieler denken so. Das sind im Endeffekt Gespräche, die kann man sich dann schenken“, gibt Ruhnert zu. „Es gilt für uns zu gucken, was kann für uns in der Flexibilität und Variabilität des Spielsystems ein Stürmer sein, der ideal auch zu Polter oder Andersson passt. Er muss mit einem der beiden zusammenspielen können oder den Ausfall eines dieser beiden kompensieren können.“

Mit anderen Worten: Er muss Mittelstürmer spielen können, die hängende Spitze beherrschen und auch auf dem Flügel lustig umhertollen können. Schwierig!

Vom Hof gejagt wird keiner

Was im übrigen nicht heißt, dass die Köpenicker nicht den Kader gleichzeitig reduzieren wollen. Doch das gestaltet sich nicht ganz so einfach und wird vor allem nicht wirklich vorangetrieben. Denn laufende Verträge sind schließlich einzuhalten. Vom Hof gejagt wird keiner in Köpenick.

Ein Überangebot herrscht beispielsweise bei den Linksverteidigern, wo mit Peter Kurzweg, Christopher Lenz und Ken Reichel gleich drei Akteure miteinander wetteifern. „Die Kadergröße ist immer ein Thema. Vielleicht sieht ja bis zum 31. August der ein oder andere Spieler woanders sein Chance“, sagt Ruhnert. Dann müsste man sprechen. „Wir gehen es nicht aktiv an. Aber Spieler schätzen ja auch ihre Chancen ein. Und wenn ein Spieler sagt, ich will unbedingt spielen, sehe hier aber die Chance nicht, dann müssen wir uns hinsetzen und reden. das ist dann legitim.“

Fürsorgepflicht des Vereins

Nach seiner Aussage wurde den Spielern mitgeteilt, dass sie kommen können − wenn sie es denn wünschen. Darauf legt der 45-Jährige entscheidenden Wert. Er werde jetzt nicht jeden Tag einem der Spieler hinterherlaufen, der derzeit im zweiten Glied steht. Ruhnert sagt: „Das wäre unseriös. Und die Spieler sind alt genug und selbstständig genug, ihre Karriereplanung vorzunehmen. Die Spieler wollen Profis sein. Da müssen sie auch objektiv ihre Situation bewerten können.“

Etwas anders wäre es in Hinsicht auf die Fürsorgepflicht bei jüngeren Spielern. Ein Cihan Kahraman wurde ja nicht umsonst bei gleichzeitiger Vertragsverlängerung um ein Jahr nach Fürstenwalde verliehen. Sinnvoll wäre das wohl auch bei einem Lennard Maloney. Doch der ist ein Sonderfall. „Er hat ja noch ein Jahr, in dem er sein Abitur machen will“, erinnerte Ruhnert daran, dass man bei dem U20-Nationalspieler der USA ein klein wenig gehandicapt ist.

Zudem müssen die Eisernen die sogenannte „Local Player“-Regelung beachten. Mit Eroll Zejnullahu, Lennart Moser, Berkan Taz und eben Maloney haben sie genau die vier Spieler mit einer vereinseigenen Ausbildung, die von der DFL vorgeschrieben sind.