Fassungslos: Novak Djokovic nach seiner Disqualifikation
Foto: AP Photo / Seth Wenig

BerlinOb er New York genauso schnell verlassen hat wie am Sonntag die Tennisanlage im dortigen Ortsteil Flushing Meadows, war am Montagvormittag nicht überliefert. Die Pressekonferenz nach seinem unfreiwilligen Aus bei den US Open hatte sich Novak Djokovic jedenfalls geschenkt, stattdessen ein paar Stunden später ein paar entschuldigende Worte auf seinem Instagram-Kanal verfasst. Die ganze Situation, seine Disqualifikation, nachdem er eine Linienrichterin unabsichtlich mit einem Ball am Hals traf, ließe ihn traurig und leer zurück, schrieb der Weltranglistenerste.

Der wird er auch nach dem Turnier bleiben, den Titel allerdings nicht gewinnen können. Genauso wenig die Herzen der Zuschauer. Sportlich ist der Serbe über jeden Zweifel erhaben: 17 Grandslam-Turniere hat er in seiner Karriere bereits gewonnen, allein dreimal die US Open. Geliebt wurde er dort aber nie. Weil er durch zu langes Auftippen des Balles vor dem Aufschlag den Zorn der Gegnern auf sich zog oder diese auch schon mal parodierte. Bei einem Publikum, das noch immer auf eine gewisse Etikette achtet, kam das nicht gut an und wurde sogar, ganz untypisch fürs Tennis, mit Pfiffen von den Rängen quittiert. Zumindest als es noch Zuschauer in den Stadien gab.

Gefeiert wird der 33-Jährige lediglich in seiner Heimat. Dort wollte er im Juni mit der Adria-Tour nur Gutes tun und die Rückkehr des Tennis-Sports nach der Corona-Unterbrechung einläuten. Nach den zu diesem Zeitpunkt geltenden Regeln in seinem Heimatland, aber ohne Abstand und Maske. Dafür gab es Kopfschütteln von Tennis-Kollegen, Kritik aus allen Ecken hingegen für die abendlichen, hemmungslosen Partybilder. Als er und seine Frau kurz darauf auch noch positiv auf Covid-19 getestet wurden, war der nächste Skandal perfekt. Djokovic entschuldigte sich, wirkliche Reue zeigte er allerdings nicht.

Am Sonntag musste er sich wieder bei allen entschuldigen. Bei der Linienrichterin, die er getroffen hatte. Bei den Zuschauern, die seine sportlichen Leistungen respektieren, aber nicht lieben. Und die ihm, anders Roger Federer und Rafael Nadal, damit nie die Anerkennung zukommen lassen, um die er mehr kämpft als um jeden Titel.

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