Kangas „Brustlöser“ - Hertha will Heimsiegschwung mitnehmen

Endlich schafft Hertha BSC den ersten Heimsieg der Saison. Eine Last fällt von den Berlinern ab. Trainer Schwarz lobt die Haltung seines Teams - sieht aber f...

ARCHIV - Cheftrainer Sandro Schwarz von Hertha BSC steht klatschend am Rand des Spielfelds.  ntur GmbH/dpa
ARCHIV - Cheftrainer Sandro Schwarz von Hertha BSC steht klatschend am Rand des Spielfelds. ntur GmbH/dpaAndreas Gora/Deutsche Presse-Age

Berlin-Die Freude über den lang ersehnten ersten Heimsieg war bei Hertha-Trainer Sandro Schwarz auch am Morgen danach noch groß, doch lange hielt man sich in Berlin nicht mit Jubel auf. „Mit der Art und Weise, wie wir das Ergebnis gezogen haben, sind wir sehr glücklich. Wir wissen aber auch, dass es fußballerisch gestern kein Leckerbissen war“, sagte der 44-Jährige am Montag. Der erste Dreier im Olympiastadion in dieser Spielzeit dank des späten Tores von Wilfried Kanga soll den Berlinern Auftrieb geben für die kommenden Spiele. Am Freitag geht es in der Bundesliga bei Werder Bremen weiter (20.30 Uhr/DAZN).

Mannschaft, Fans, Präsident: Von allen fiel im Westend nach dem 2:1 gegen Schalke 04 am Sonntagabend eine Last ab, das war nicht zu übersehen. Auf der Tribüne pustete Präsident Kay Bernstein durch und vergoss ein paar Freudentränen. Schwarz selbst wurde beim Jubeln über das 1:0 von seinen Co-Trainern umgerissen. „Wir haben es alle gebraucht“, sagte Schwarz schon am Sonntag über den Erfolg. Auch auf den mit mehr als 60.000 Zuschauern und Zuschauerinnen gut gefüllten Rängen war man selig. Schwarz war erneute begeistert, „was die Leute abreißen“. Es sei schön, dass Hertha mit dem Sieg etwas zurückgeben konnte.

Zu oft hatte die Mannschaft in den letzten Wochen trotz guter Leistungen keinen Dreier geholt und Führungen nicht halten können. Dass es nun ein „dreckiger Sieg“ nach einer durchwachsenen Leistung war, wie Schwarz sagte, tat der Freude keinen Abbruch.

Besonders groß war sie für Stürmer Kanga, der bislang viel rackerte, aber im Abschluss immer wieder knapp scheiterte. Bis zur 88. Minute gegen Schalke. „Ich glaube, dass es für ihn ein Brustlöser war. Das Druckgefühl ist weg“, sagte Schwarz. Nun gelte es aber, weiter dranzubleiben, um sich die nächste Belohnung abzuholen, sagte der Coach.

Auch der Rest der Mannschaft wusste, wie wichtig der Treffer für den Kollegen war. „Das ist typisch, dass er dann heute trifft kurz vor Schluss. Das freut mich, das freut uns als Mannschaft sehr für ihn“, sagte Hertha-Mittelfeldspieler Suat Serdar. „Am Ende zahlt sich harte Arbeit eben doch aus, so kann er weitermachen“, sagte Serdar über den französisch-ivorischen Angreifer.

Emotional wurde es bei den Herthanern aber auch bei einem anderen Thema. Jean-Paul Boëtius kehrte am Sonntag nur wenige Wochen nach seiner Hodenkrebs-Operation wieder zurück auf das Spielfeld. „Körperlich geht es mir gut und ich hoffe, dass ich in den nächsten Spielen noch mal mehr Spielminuten kriege, damit ich auch mal wieder Rhythmus bekomme“, sagte er.

Hertha steht mit elf Punkten auf Rang 13. Mit Erfolgen in den nächsten Wochen könnte sich das Team ins Tabellen-Mittelfeld spielen. Ob er dabei am Freitag in Bremen wieder auf ein 4-4-2 mit zwei Stürmern setzen werde, darauf wollte sich Schwarz noch nicht festlegen. Es gelte, flexibel zu bleiben.