Im Super Bowl: Patrick Mahomes von den Kansas City Chiefs hält die Trophäe für den Gewinn des AFC Championship Game durch einen Sieg über die Tennessee Titans in die Höhe.
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BerlinZum ersten Mal spielten die Kansas City Chiefs im Super Bowl, als der Super Bowl noch gar nicht Super Bowl hieß. Im Januar 1967 war das, und sie verloren das Match, in dem erstmals die beiden Conference-Gewinner den Titel in der National Football League (NFL) ausspielten, gegen die Green Bay Packers. Drei Jahre später waren sie wieder Teil des Super Bowl, wie das große Spiel inzwischen auf Anregung des Chiefs-Gründers und -Besitzers Lamar Hunt hieß. Diesmal gewann Kansas City in New Orleans gegen die Minnesota Vikings und wurde der vierte Super-Bowl-Champion der NFL-Geschichte. Danach mussten die Fans des Teams ein kleines Weilchen warten bis zum nächsten Anlauf.

„Oh ja, 50 Jahre, das war zu lange, aber jetzt fahren wir wieder zum Super Bowl“, sagte Team-Besitzer Clark Hunt nach dem 35:24 im heimischen Arrowhead Stadium gegen die zähen Tennessee Titans. Zuvor hatte er erleichtert die nach seinem Vater benannte Lamar-Hunt-Trophy für den Gewinn der American Football Conference (AFC) in die Höhe gestemmt. Im vergangenen Jahr war das talentierteste Chiefs-Team seit einem halben Jahrhundert an gleicher Stätte noch an den New England Patriots gescheitert, weil ein Abwehrspieler beim entscheidenden Spielzug ein paar Zentimeter im Abseits gestanden hatte. Nun spielen die Kansas City Chiefs am 2. Februar in Miami gegen die San Francisco 49ers, die im anderen Halbfinale die Green Bay Packers mit 37:20 bezwangen.

Geniestreich von Patrick Mahomes

Diesmal ließ die Chiefs-Mannschaft um den überragenden Quarterback Patrick Mahomes Zweifel am Einzug ins Endspiel nur am Anfang aufkommen, als sie gleich wieder mit 0:10 in Rückstand geriet. Kein Vergleich zum 0:24 in der Vorwoche gegen die Houston Texans, als am Ende noch ein 51:31-Sieg heraussprang. „Nur 10, keine 24, das war doch ziemlich gut“, scherzte Guard Mitchell Schwartz. Die entscheidende Szene kam kurz vor der Halbzeit, als Mahomes keine Anspielstation sah, einfach selbst die Seitenlinie entlangrannte und den Touchdown zur 21:17-Führung herausholte. Den letzten Aufholversuch der Titans beendete der Quarterback dann mit einem spektakulären 60-Yards-Touchdown -Pass auf Sammy Watkins.

Kansas City ist dank Mahomes leichter Favorit im Super Bowl, der jedoch zumindest von der Papierform her ein offenes, spannendes und punktreiches Treffen zweier grundverschiedener Teams verspricht. Die Stärke der Chiefs ist das Pass-Spiel, mit dem sie 4 498 Yards in der Saison erreichten, doch San Francisco verfügt über eine formidable Defense, die am Sonntag mit Green Bays Aaron Rodgers einen der besten Quarterbacks der Liga sicherer kontrollierte, als es die Statistiken aussagen. Für 326 Yards brauchte Rodgers 39 Pässe, und die Packers konnten erst punkten, als das Match längst verloren war. Probleme hatten die 49ers allerdings während der Saison mit beweglichen, lauffreudigen Quarterbacks, was für Mahomes spricht.

San Franciscos offensive Stärke liegt eindeutig im Laufspiel, da waren die 49ers mit 2 305 Yards zweitbestes Team der NFL nach den Baltimore Ravens. Gegen Green Bay gelangen Running Back Raheem Mostert als erstem Spieler in einem Play-off-Match mehr als 200 erlaufene Yards und vier Touchdowns, seine 220 Yards waren die zweitmeisten überhaupt. In der zweiten Halbzeit setzte Coach Kyle Shanahan praktisch nur noch auf Läufe, Quarterback Jimmy Garoppolo warf bloß noch zwei Pässe und lediglich acht insgesamt. Ähnlich war es schon eine Woche zuvor gegen die Minnesota Vikings gewesen, doch Shanahan wies Spekulationen zurück, der Quarterback könnte nicht völlig gesund sein. Die Taktik habe er gewählt, „weil sie funktionierte“.

Running Back Coleman verletzt vom Feld

Verletzt vom Feld musste Running Back Tevin Coleman, der gegen Minnesota noch die Hauptarbeit geleistet hatte. Viel wird beim Super Bowl davon abhängen, ob er wieder fit ist, denn die Chiefs haben gegen Tennessee gezeigt, dass ihre Verteidigung funktioniert, wenn sie sich auf einen Läufer konzentrieren kann. Derrick Henry, den besten Running Back der Liga, der in den drei Spielen zuvor jeweils mehr als 180 Yards erlaufen hatte, hielten sie bei 69 Yards, ein wichtiger Faktor für ihren Sieg.

Raheem Mostert, ein begeisterter Surfer aus Florida, der vorher bei sechs NFL-Teams durchgefallen war, hat am Sonntag allerdings bewiesen, dass er sich vor keiner Defense fürchten muss. Zunächst genoss der 27-Jährige aber den Augenblick. Dies sei der glücklichste Tag seines Lebens, sagte er, bevor er in Hinblick auf mögliche familiäre Verwicklungen schnell hinzufügte: „nach der Hochzeit und der Geburt meines Sohnes.“