So überrascht man die Beobachter – und womöglich auch ein bisschen sich selbst. Man sucht sich für die Generalprobe zur anstehenden Bundesliga-Saison einen Premier-League-Klub, reist dafür nach London, schickt dort erst mal eine Mannschaft ohne Sommerzugang aufs Feld – und gewinnt nach ansprechender Leistung 4:0. Hertha BSC ist dieser kleine Coup am Sonnabend in der Auseinandersetzung mit Crystal Palace gelungen, dabei spielten die Blau-Weißen nach anfänglichen Schwierigkeiten in jedweder Hinsicht überzeugend, was Trainer Ante Covic dann auch zum Anlass für ein dickes Lob nahm.

„Wenn du auswärts bei einem Premier-League-Klub vier Tore erzielst, und siehst, dass deine Stürmer nicht nur torgefährlich sind, sondern sich auch aufopferungsvoll ins Spiel einbringen, wie Davie Selke, der mit seinen Laufwegen Räume für Maxi (Mittelstädt, d. R.) schafft, dann stimmt mich das natürlich positiv“, sagte der 43-Jährige und ergänzte: „Zudem haben wir ja auch zu Null gespielt. Ja, viele Punkte, die wir vor dem Spiel auf dem Tableau hatten, haben die Jungs auch dann erfüllt.“

Darida macht Druck

Ohne Abwehrmann Dedryck Boyata, der im Trainingscamp im österreichischen Stegersbau infolge einer Oberschenkelverletzung noch nicht einmal am Mannschaftstraining teilnehmen konnte, ohne Rekordeinkauf Dodi Lukebakio, der aufgrund seiner Teilnahme an der U21-Europameisterschaft noch etwas Nachholbedarf hat, erweckten die Herthaner vor allem in der zweiten Spielhälfte den Eindruck, dass die Arbeit von Covic tatsächlich fruchtet. Dass er der Mannschaft mit seinen Ideen vor allen Dingen im Spiel nach vorne auf die Sprünge geholfen hat. Die Treffer erzielten Marvin Plattenhardt, der in der 43. Minute dem Schuss von Ondrej Duda die entscheidende Richtungsänderung mit auf dem Weg ins Tor gab, Vedad Ibisevic (52.) nach einer sehenswerten Ballstafette, Maximilian Mittelstädt (75.) und Selke, der nach einer Stunde Spielzeit für Ibisevic eingewechselt worden war und per Strafstoß traf (82.). „4:0 ist ein schönes Ergebnis, aber das dürfen wir nicht überbewerten“, erklärte Covic, um sich wohl auch selbst wieder etwas zu beruhigen: „Wichtig ist der nächste Sonntag.“ Er zielte damit auf die Pflichtaufgabe in der ersten DFB-Pokalrunde beim Regionalligisten VfB Eichstätt.

Insbesondere zu Vladimir Darida scheint der Dardai-Nachfolger einen guten Draht zu haben. Der Mittelfeldspieler bereite ihm mit ansprechenden Leistungen schlaflose Nächte, hatte Covic vor ein paar Tagen berichtet: „Er drängt sich auf.“ Nun untermauerte der vielgelobte Tscheche, der infolge von zahlreichen Verletzungen in der Vorsaison den Anschluss verloren und im Winter schon über einen Wechsel nachgedacht hatte, noch einmal seine Ansprüche auf einen Platz in der Startformation. An der Seite des gesetzten Marko Grujic gefiel er im Selhurst Park nicht nur wegen seiner hohen Laufbereitschaft, nein, immer wieder eroberte er dank seiner guten Zweikampftechnik Bälle beim Pressing, stellte immer wieder geschickt Räume zu.

Der Konkurrenzkampf tobt

„Ich kämpfe, ich will hier spielen“, hatte Darida zum Start der Sommervorbereitung gesagt. Im Moment scheint er im Konkurrenzkampf mit Arne Maier, Per Skjelbred und Eduard Löwen, der am Sonnabend erst nach einer Stunde zum Zug kam, jedenfalls klar im Vorteil zu sein. (BLZ)