Max Hoff und Jacob Schopf triumphierten bei der Kanu-WM 2019.
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BerlinNoch einmal olympisches Gold gewinnen – dieser Traum treibt Max Hoff an. Auch jetzt noch, nach der überstürzten Abreise der deutschen Kanuten aus dem Trainingslager in Sevilla am Freitagabend wegen des Coronavirus. „Bis die Spiele nicht abgesagt sind, darf man nicht aufgeben“, sagt der 37-Jährige, der derzeit nur unter erschwerten Bedingungen mit seinem Boot aufs Wasser gehen kann, um sich auf die Spiele von Tokio vorzubereiten.

In Sevilla hatten sie nicht bleiben können. Zu groß war die Angst vor geschlossenen Grenzen oder einer Quarantäne. Jetzt beschränkt Hoff seine sozialen Kontakte auf wenige „Kernmenschen“, darunter seine Freundin in Berlin, die mit einer Ausnahmegenehmigung am Ruder-Stützpunkt in Tegel trainiert. Hoff hat dort keinen Zutritt. Und sein eigener Stützpunkt in Essen ist abgeriegelt.

Hoff hofft auf Kienbaum

Zwei seiner Boote lagern nun im Gebüsch, eins in Essen, eins in Berlin. Hoffs Umkleide ist sein Auto. Geduscht wird zu Hause. Physiotherapie fällt aus. Und das Krafttraining wird im Wohnzimmer mit ein paar Hanteln und an einer Klimmzugstange absolviert. „Wahrscheinlich werde ich jetzt Klimmzug-Weltmeister“, sagt der Olympiasieger im Vierer 2016 in Rio. Sein letzter großer Erfolg: Weltmeister 2019 im Zweier mit dem Berliner Jacob Schopf.

Hoff und der 17 Jahre jüngere Schopf sind das Dream-Team des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV), Schopf ist der Grund, warum Hoff dran geblieben ist und sich nach dem Olympiasieg 2016 nicht seinen zwei anderen Berufen als Biologe und BWLer gewidmet hat. „Der ist grandios gut, der Kerl“, sagt Hoff über Schopf.

Und so hoffen die Kanuten, dass der DOSB in Kienbaum bei Berlin ein abgeriegeltes und von den Behörden genehmigtes Trainingszentrum für Olympiakandidaten einrichtet. „Ich verstehe die Maßnahmen, sie sind wichtig“, sagt Hoff. „Aber man hat uns unsere Arbeitsgrundlage entzogen.“ Er könne jetzt nicht aufhören zu trainieren. Nicht, solange der Olympia-Termin bestehen bleibt. „Das würde das erzwungene Ende meiner Karriere bedeuten.“

Zweifel an Olympischen Spielen

Es dürfte neue Qualifikationsrichtlinien geben, meint Hoff. Die größte Konkurrenz für das deutsche Boot kommt aus Frankreich, Spanien, Tschechien und Neuseeland. Franzosen und Spanier sind ebenso von Restriktionen betroffen. In Neuseeland wird normal trainiert, die Tschechen sind in den USA im Trainingslager geblieben. „Wenn hier in Europa für ein oder zwei Monate der Trainingsbetrieb ausgesetzt wird, dann brauche ich im August nicht gegen den Rest der Welt anzutreten. Das ist dann Wettbewerbsverzerrung, da muss man sich überlegen, ob diese Olympischen Spiele noch im Sinne des Sports sind“, sagt Hoff.

Also doch aufgeben? Hoff sagt: „Du musst dran glauben. Am Ende werden sich die durchsetzen, die das jetzt noch am besten können.“