Einsam und nachdenklich nach dem Spiel in Gladbach: Trotz guter Leistung wird Andreas Luthe das Tor des 1. FC Union wohl wieder räumen müssen.
Foto: Matthias Koch

BerlinEs läuft also wie immer. Aus einem Gerücht wird ein "So gut wie sicher" wird Gewissheit. Der 1. FC Union Berlin und Torwart Loris Karius sollen sich laut dem Magazin Kicker über einen Wechsel an die Alte Försterei für ein Jahr einig sein. Der 27 Jahre alte Keeper soll vom FC Liverpool ausgeliehen werden und bereits an diesem Montag den Medizincheck beim Berliner Fußball-Bundesligisten absolvieren.

Schon über dem Spiel der Eisernen bei Borussia Mönchengladbach schwebte die Personalie, die Unions Sportchef Oliver Ruhnert am Sonnabend nach dem 1:1-Unentschieden gegenüber dem TV-Bezahlsender Sky quasi bestätigte. Mit Torwart Loris Karius wird Union mit großer Wahrscheinlichkeit nach Angreifer Taiwo Awoniyi einen weiteren Spieler vom englischen Meister FC Liverpool für eine Spielzeit ausleihen.

Das Magazin Kicker berichtete an diesem Montag, Der 27-jährige Karius, der zuletzt an den türkischen Erstligisten Besiktas Istanbul verliehen worden war, hat in der Premier League aktuell keine Einsatzchance. Nun könnte er theoretisch bereits am Freitag (20.30 Uhr) gegen seinen früheren Verein 1. FSV Mainz 05 sein Comeback in der Bundesliga erleben. Praktisch stehen noch der Medizin-Check und zwei Corona-Tests dazwischen, die Karius vor der ersten Teilnahme am Mannschaftstraining bestreiten müsste.

Daher dürfte Andreas Luthe wahrscheinlich gegen Mainz auch wieder im Kasten stehen. Das hat sich der Zugang vom FC Augsburg mit seiner Leistung in Mönchengladbach auch verdient. In der torlosen ersten Hälfte bewahrte er seine Elf mit zwei Glanzparaden gegen Alassane Plea vor einem Rückstand. Beim Gegentor durch Marcus Thuram, der nach 56 Minuten einen Eckball von Jonas Hofmann einköpfte, hatte der Union-Torwart keine Chance. „Andreas Luthe hat uns mit der einen oder anderen Parade im Spiel gehalten“, sagte Trainer Urs Fischer.

Ob Luthe seine Schuldigkeit getan hat, wenn Karius kommt, ist zwar offen – aber es ist wahrscheinlich. Dafür ist der Name Karius zu groß. Fischer selbst wollte sich einen Tag nach dem Auftritt am Niederrhein noch nicht zu Karius äußern. „Das ist noch spekulativ. Ihr kennt meine Antwort. Ich werde mich zu Personalentscheidungen nicht äußern“, erklärte er am Sonntag in einer Runde mit Medienvertretern im Stadion An der Alten Försterei.

Luthe erledigte seinen Job in Mönchengladbach auf jeden Fall professionell. Dass er nach dem Spiel kurz allein auf der Bank saß, muss noch kein Fingerzeig für die Zukunft sein. Allerdings bedeutet seine Rückennummer 1 auch nicht, dass er sportlich in der Pole Position bleibt. Möglicherweise wurde Luthe von Ruhnert auch darauf vorbereitet, dass es in der langen Transferperiode noch eine starke Neuverpflichtung geben kann.

Wenn Karius kommt, hat dies auf jeden Fall Auswirkungen auf den gesamten Torwartbereich des Vereins. Denn Torwart Lennart Moser, die bisherige Nummer zwei, will unbedingt spielen. In der vergangenen Saison war Moser an den Viertligisten Energie Cottbus und den belgischen Erstligisten Cercle Brügge ausgeliehen. Das Trostpflaster, in der Bundesliga auf der Bank zu sitzen, fällt nun bald weg. Denn gegen Karius oder Luthe kommt Moser trotz seiner Weiterentwicklung noch nicht an.

Unabhängig von der zu erwartenden Torwartrotation machte die gesamte Mannschaft in Mönchengladbach einen Schritt nach vorn. Mit dem Unentschieden spielte sich Union den Frust nach der 1:3-Niederlage zum Auftakt gegen den FC Augsburg aus den Stiefeln.

Zu Beginn merkte man den Eisernen den Respekt an. Etliche Bälle landeten unmotiviert im Seitenaus. Die Gladbacher konnten aber fortan keinesfalls ihr Powerplay aufziehen. Das lag sicher auch daran, dass die starken Offensivspieler Thuram und Plea nach Verletzungen noch nicht richtig fit sind. Auch so nutzte Union immer wieder die Gelegenheit zum schnellen Umkehrspiel. Dabei tat sich vor allem Sheraldo Becker hervor. Der Niederländer hätte mehrere Tore erzielen können, traf einmal nur die Latte (31.). Auch Debütant Awoniyi sorgte als Mittelstürmer für Betrieb. Die Mönchengladbacher waren zur Pause mit dem 0:0 noch gut bedient.

Im zweiten Abschnitt bekam der Favorit die Begegnung vermeintlich besser in den Griff. Allzu oft lief die Borussia nicht mehr in Konter. Und als Thuram zum 1:0 einnetzte, roch es nach einem Arbeitssieg des VfL. Doch Union gab nicht auf. Nico Schlotterbeck belohnte mit dem späten Treffer zum 1:1 den couragierten Auftritt seines Teams. Er stieg nach einem Eckball des eingewechselten Marcus Ingvartsen auf Höhe des Elfmeterpunktes zum Kopfball hoch. Das Leder senkte sich punktgenau in den rechten oberen Dreiangel. „Wir haben uns nach dem 0:1 offensiver aufgestellt und mehr Fußball und nach vorn gespielt und dann auch verdient den Punkt geholt“, sagte Schlotterbeck.

Die Begegnung hätte aber fast noch einen Sieger gefunden. An beiden Aktionen war der Gladbacher Ramy Bensebaini beteiligt. Erst traf der Algerier nach einem ruhenden Ball von Ingvartsen fast ins eigene Tor (88.) und in der Nachspielzeit donnerte er die Kugel aus Nahdistanz freistehend über den Union-Kasten. Das wäre des Guten aber zu viel gewesen. Auch so hatten rund 50 Union-Fans, die es über den am Ende der Woche freien Kartenverkauf unter die insgesamt 10.383 Zuschauer im nicht ausverkauften Borussia-Park geschafft hatten, Grund zur Freude. Vor allem nach dem Abpfiff waren ihre „Eisern Union“-Rufe deutlich zu vernehmen.