Karl Geiger ist nach dem verpatzen Springen von Innsbruck sichtlich bedient.
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InnsbruckKarl Geiger winkte tief enttäuscht ab, sogar zu einem Wortgefecht mit einem aufdringlichen Kameramann ließ sich der sonst so besonnene Bayer hinreißen: Die deutsche Tournee-Hoffnung hat an einem schwarzen Tag mit Rang acht in Innsbruck einen empfindlichen Rückschlag im Kampf um den Goldadler kassiert. „Das ärgert mich extrem. Ich bin auf Angriff gegangen, aber heute hat es nicht sollen sein“, sagte Geiger nach einem völlig verpatzten ersten Sprung.

Geiger flog im ersten Durchgang bei schwierigen Windverhältnissen nur auf 117,5 m und lag als 23. bereits weit zurück, rettete das Ergebnis mit einem 126-m-Sprung aber noch halbwegs. „Es ist noch nicht vorbei. Ich werde in Bischofshofen noch einmal alles riskieren“, sagte der 26-Jährige kämpferisch.

Den zweiten Tagessieg in Folge feierte der Norweger Marius Lindvik vor Dawid Kubacki und Daniel Andre Tande (Norwegen). Kubacki, in Oberstdorf und Garmisch jeweils Dritter, übernahm mit 830,7 Punkten in der Gesamtwertung die Führung vor Lindvik (821,6) und Geiger (817,4).

Lindvik konnte sein Glück kaum fassen. „Das war ein richtig guter Sprung. Das ist einfach unglaublich“, sagte der Senkrechtstarter nach seinem zweiten Weltcupsieg. Titelverteidiger Ryoyu Kobayashi (Japan), der sich in Innsbruck mit Rang 14 begnügen musste, fiel vor dem Finale am Montag in der Gesamtwertung mit 817,0 Zählern vom ersten auf den vierten Rang zurück.

Leyhe bester Deutscher

Geiger war derweil nach seinem schlechtesten Ergebnis der Saison bedient. „Nach dem ersten Durchgang ist mir das Gesicht ein bisschen eingeschlafen. Ich muss aber ehrlich sagen: Der war auch nicht die feinste Klinge. Wenn dann noch so Bedingungen dazu kommen, wird es doppelt schwierig“, meinte der Oberstdorfer. Der erste deutsche Gesamtsieg beim Skisprung-Spektakel seit Sven Hannawalds „Grand Slam“ vor 18 Jahren ist damit eher unwahrscheinlich.

Als bester DSV-Adler belegte Stephan Leyhe (Willingen) einen Tag vor seinem 28. Geburtstag den sehr guten fünften Rang. Constantin Schmid (Oberaudorf) musste sich mit Position 26 begnügen, der in Innsbruck einst zum Weltmeister gekrönte Eisenbichler (Siegsdorf) landete gar auf dem 27. Platz. Erst gar nicht in den zweiten Durchgang schafften es Pius Paschke (Kiefersfelden) und Moritz Baer (Gmund-Dürnbach).

Der Bergisel bleibt somit trotz der starken WM vor einem Jahr ein Schicksalsberg der DSV-Adler: Geigers Zimmerkollege Markus Eisenbichler war vor genau einem Jahr ebenfalls mit zwei zweiten Plätzen in die Tournee gestartet, fiel in Innsbruck aber deutlich zurück. 2018 war der um den Gesamtsieg kämpfende Richard Freitag dort sogar gestürzt und musste aus der Tournee aussteigen.

Für Kubacki ist die Führung rein statistisch schon mehr als die halbe Miete. Seit 1994/95 lagen von 25 nach Innsbruck führenden Springern 22 auch in der Endabrechnung vorne. Bei den vergangenen 20 Auflagen verspielte nur der Norweger Tande (2016/17) seinen Vorsprung und wurde Dritter.

Die Entscheidung im Kampf um den Goldenen Adler fällt am Montag (17.15 Uhr/ARD und Eurosport) in Bischofshofen. Schon am Sonntag steht dort die Qualifikation für das Finale an.