Berlin - Karla Borger weiß, was auf sie zukommt. Seit der ersten Stunde ist sie Mitglied bei den Athleten Deutschland, dem Verein, der die Sportlerinnen und Sportler auf Augenhöhe zu den Mächtigen hieven sollte. Borger hat den Gründungspräsidenten Max Hartung aus der Nähe beobachtet, die Debatten verfolgt, den Widerstand und die Doppelbelastung gespürt. Und doch tritt die Beachvolleyballerin voller Vorfreude dessen Erbe an.

„Es war eine sehr intensive Zeit für ihn“, sagte Borger nach ihrer Wahl zur Präsidentin im Deutschlandfunk über ihren Vorgänger, der jahrelang nicht nur Weltklasse-Fechter, sondern auch Sportfunktionär war. Hartung habe „auch viel gezweifelt“, weiß Borger, daher sei sie „sehr froh, dass er weiterhin mutig vorangeschritten ist und nicht zurückgezogen hat“.

Karla Borger peilt mit Julia Sude Olympia 2024 an

Hartung war das Gesicht der Sportler, ihre Stimme – konsequent, auch bei heiklen Themen. Borger, die zweite Präsidentin des vom Dachverband DOSB unabhängigen Vereins, will auf dessen Grundlage aufbauen. „Es liegt in unseren Händen, wir können etwas erreichen und bewegen“, sagte sie. Dieser Reiz überwiege „die stressigen Phasen“, die sie erwarten.

Borger bleibt Sportlerin mit dem Ziel Olympia in Paris 2024. An der Seite von Julia Sude gehört sie zur Weltspitze, zwar reichte es in Tokio nicht zur Medaille, zuletzt triumphierte das Duo jedoch beim World-Tour-Finale in Italien. Die 32-Jährige wird sich ihre Zeit einteilen müssen, will sie im Sand und auf dem politischen Parkett glänzen.

„Ich werde mich noch besser strukturieren müssen, vielleicht mit einem Zweithandy, vielleicht mit einem Wochenplan“, sagte sie. Für sie ist klar: „In meinem Job bin ich Sportlerin, das hier ist ein Ehrenamt, und wir haben ein tolles Team plus eine tolle Geschäftsstelle.“ Ihr Vizepräsident, der frühere Wasserballer Tobias Preuß, wird nicht nur Verantwortung übernehmen, wenn Borger auf Reisen ist.

Unabhängiges Zentrum für „Safe Sport“ geplant

Verlassen kann sich das Präsidium auch auf die Geschäftsführung um den früheren Basketballer Johannes Herber. Die Gleichstellung von Athletinnen und das unabhängige Zentrum für „Safe Sport“, an das sich Opfer sexualisierter Gewalt wenden können, stehen auf der To-do-Liste.

Und es bleibt die Frage nach dem Verhältnis zum Deutschen Olympischen Sportbund, der die Athleten in der Gründungszeit ablehnte, weil er keine Notwendigkeit für eine Interessenvertretung außerhalb der bekannten Struktur sah. „Konstruktiv und vertrauensvoll“ soll es werden, wenn sich der DOSB bei der Mitgliederversammlung am 4. Dezember neu aufgestellt hat, sagte Borger.

Es gibt reichlich zu tun, um den nötigen Einfluss der Athletinnen und Athleten in der deutschen Sportpolitik auszubauen. Karla Borger weiß, was auf sie zukommt.