Karlsruhe - Klaus Allofs, Manager des Bundesligisten VfL Wolfsburg, zog nach dem 3:1-Sieg beim Karlsruher SC ein zufriedenes Fazit: „Wir hatten von allen Bundesligisten die schwerste Aufgabe. Dementsprechend konzentriert sind wir zu Werke gegangen.“ Diskussionen, ob der VfL nach den massiven Umbauten im Sommer vielleicht nicht rechtzeitig in die Gänge kommen konnte, dürften nach diesem Auftritt tatsächlich erst einmal verstummen.

Von Beginn an kämpften die Wölfe (ebenso wie ihre Karlsruher Konkurrenten) um jeden Meter und wirkten überhaupt wie eine Mannschaft, der das Fußballspielen wieder Spaß macht. Klingt banal, könnte aber der entscheidende Fortschritt zur Magath-Ära sein, an deren Ende so gut wie jeder Spieler den Eindruck erweckte, als sähe er die anderen zehn im grünen Trikot beim jeweiligen Ligaspiel gerade zum ersten Mal. Den Unterschied zwischen zwei gut organisierten und kämpferisch starken Mannschaften brachte Karlsruhes Trainer Markus Kauczinski auf den Punkt: „Bei Ballbesitz hatten die Wolfsburger einfach mehr zu bieten als wir.“

Durch gekonnte Spielverlagerungen und Tempowechsel der Wolfsburger wurde tatsächlich schnell deutlich, dass ein Aufsteiger in die Zweite Liga, selbst wenn er so gut organisiert ist wie der KSC unter Markus Kauczinski, schon sehr viel Glück braucht, um gegen ein Erstligateam zu bestehen, dessen Kader doch deutlich mehr hergeben sollte als Platz elf. Den belegte Wolfsburg in der vergangenen Saison, und als Hecking den von seinem Vorgänger zusammengewürfelten Kader übernahm, gab es kaum einen Beobachter, der nicht eingesehen hätte, dass es eine Weile dauern würde, bis die 40 Mann eine Einheit sein würden. Wolfsburgs Manager Klaus Allofs wand sich diesen Sommer ja auch noch erkennbar, wenn er gefragt wurde, wie lange die Reparaturarbeiten an den Magath’schen Hinterlassenschaften denn wohl noch dauern würden.

Nach dem ersten Pflichtspiel der Saison sind allerdings weit mehr als erste Konturen erkennbar. Vor allem im Mittelfeld hatte der VfL in Karlsruhe ein deutliches Übergewicht. Das lag vor allem an einem Spieler, der schon so zum Inventar der Liga zu gehören scheint, dass man seine Fähigkeiten gern als Selbstverständlichkeit hinnimmt: Dabei ist Diego ein Spieler, der zu den vier, fünf Ausnahmekönnern der Liga gehört: Ballführung, Technik, Übersicht, Dynamik, dazu die Bereitschaft, sich die Bälle selbst zu erkämpfen und auch nach dem zehnten Foul sofort wieder aufzustehen – der Brasilianer war in Karlsruhe der beste Mann auf dem Platz. Damit lenkte er allerdings unfreiwillig den Blick auf sein unmittelbares Umfeld: Natürlich wissen auch Jan Polak und Ja-Cheol Koo, die am Sonnabendabend die beiden Sechser im 4-2-3-1-System gaben, was sie tun. Doch das Wolfsburger Interesse an Luiz Gustavo scheint folgerichtig. Der Brasilianer, der 2011 nach München am, unter Pep Guardiola aber eine überschaubare Perspektive zu haben scheint, soll nach Auskunft seines Beraters („Luiz möchte mit Wolfsburg verhandeln“) nicht abgeneigt sein, zum VfL zu wechseln, auch umgekehrt wird das Interesse nicht dementiert.

Noch eine erfreuliche Erkenntnis

Weitere erfreuliche Erkenntnis aus Sicht der Niedersachsen: Die Abwehr hinterließ bei der Liga-Generalprobe einen guten Eindruck. Naldo spielte stark und harmonierte bereits prächtig mit Timm Klose, den Hecking mit einem halben Jahr Verspätung im Sommer aus Nürnberg mitgebracht hat. Auch Christian Träsch zeigte auf der rechten Außenbahn eine starke Partie und bereitete das 0:2 durch Diego vor, Ivan Perisic (14.) und Marcel Schäfer mit seinem Tor in der Nachspielzeit besorgten den Rest bei einem Spiel, das Dieter Hecking als „richtig guten Test vor dem Bundesligastart“ gewertet wissen wollte.