Tauscht das Volleyball-Trikot gegen die Polizei-Uniform: Georg Klein.
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BerlinViele Vorhaben, Pläne, Hoffnungen haben sich den vergangenen Tagen in Luft aufgelöst.  Virusbedingt. So ist es auch mit den Bildern gewesen, die sich der Volleyballer Georg Klein vom letzten Spiel seiner Karriere in Gedanken ausgemalt hatte. „Ein letztes Finalspiel, die Familie ist da, alle Freunde, wir werden Meister, feiern zusammen den Titel…“ Sicher wäre es so gekommen, wenn der März 2020 ein März wie jeder andere gewesen wäre. 

Der Mittelblocker des deutschen Meisters BR Volleys hatte schon vorigen November entschieden, nach zehn Jahren in der Volleyball-Bundesliga zum Ende dieser Saison aufzuhören. Der 28-Jährige absolviert in Berlin ein Polizeistudium, das ihn in Anspruch nimmt, in den vergangenen beiden Sommern musste er sich jeweils einer Knieoperation unterziehen. „Ich habe in mich hineingehört und festgestellt, dass der Körper klare Signale sendet“, sagt Klein.

"Das war ein Schock"

Nach Stationen beim VC Olympia Berlin, in Düren, Antwerpen und Friedrichshafen waren die letzten drei Spielzeiten in Berlin die erfolgreichsten des 14-maligen Nationalspielers. Mit den BR Volleys sammelte er zwei Deutsche Meistertitel, einen DVV-Pokalsieg und einen Supercup-Sieg. Nach der Dominanz der Berliner mit 20 Siegen in 20 Ligaspielen war der dritte Meistertitel so gut wie sicher.  Nachdem die Volleyball Bundesliga (VBL) vorigen Mittwoch entschieden hatte, die elf ausstehenden Hauptrundenpartien noch auszuspielen, traf Klein dann die Komplettabsage am Donnerstagabend besonders hart.

Er saß allein zu Hause auf der Couch, als Libero Julian Zenger kurz nach 21 Uhr einen Screenshot der VBL-Meldung in die Whatsapp-Gruppe der Mannschaft schickte. „Das war ein Schock“, sagt Klein. Ihm war klar: keine Spiele mehr, kein Hauptrundenabschluss, kein Meistertitel. „Dieser Moment, den wir da gehabt hätten, den kann man in keiner Weise mehr ersetzen.“ Die Flasche Rum, die er aufmachte, war kein wirklicher Trost.

"Dieses Ende tut mir für ihn ganz besonders leid"

In den drei vergangenen Saisons war Klein ein wichtiges Gesicht der Mannschaft geworden. Ein Spieler, der Feuer bringen konnte, bereit, zuverlässig, fair. „Er ist ein Kämpfer und großartiger Teamplayer: smart, zuvorkommend und loyal. Für mich war er der Vizekapitän und trug viel Verantwortung. Dieses Ende tut mir für ihn ganz besonders leid“, sagte Trainer Cedric Enard über den Zwei-Meter-Mann, den sie in der Mannschaft „Kleini“ riefen.

Wie zuvor Felix Fischer, Robert Kromm oder Sebastian Kühner repräsentierte der in Leipzig geborene Profi das Berliner Element im Team. Schließlich hatte er schon die Schulzeit im Sportinternat in Hohenschönhausen verbracht.  Seine Polizeiausbildung, die beim SEK enden soll,  wird ihn weiter an Berlin binden, weiter ins Fitnessstudio führen. Auch den BR Volleys, meint Klein, werde er „in irgendeiner Funktion wohl erhalten bleiben“.