Sucht mit den Hallenbetreibern nach Zuschauerlösungen: Kaweh Niroomand, Sprecher der Berliner Profiklubs.
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BerlinGeisterspiele sind für die Profiklubs der Berliner Hallensportarten keine Alternative. Füchse, Alba, Eisbären und Volleys werden, anders als die Fußballer, nicht in großem Maß von TV-Geldern finanziert. Kaweh Niroomand, 67, versucht als Manager der BR Volleys und Sprecher der Berliner Profiklubs Zuschauerlösungen für alle voranzubringen. 

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) lässt ein Hygiene-Rahmenkonzept erstellen. Dazu machen die Sportverbände Konzepte, die Ligen, die Vereine. Wer macht was?

Das, was der DOSB macht, ist auf drei Ebenen sehr allgemein angedacht. Erstens geht es um grundsätzliche Dinge, zweitens um die Sportstätten und drittens um die einzelnen Sportarten. Der DOSB will dahingehend helfen, dass das, was für alle gültig ist, einmal zusammengefasst dargelegt wird. Inwieweit die einzelnen Verbände und Vereine davon Gebrauch machen, bleibt ihnen überlassen. Deren jeweilige Konzepte müssen am Ende von den zuständigen Gesundheitsämtern genehmigt werden.

Inwiefern arbeiten die BR Volleys an einem Hygienekonzept?

Unser Plan ist, dass wir seitens der Berliner Profiklubs ein Gesamtkonzept ausarbeiten. Wir sind gerade dabei, dies für beide großen Venues, also die Mercedes-Benz-Arena und die Max-Schmeling-Halle, mit den jeweiligen Betreibern zu tun. Mit diesem Konzept wollen wir uns – hier hat auch der Chef der Senatskanzlei Christian Gaebler eingewirkt – mit der Sportverwaltung und den zuständigen Behörden zusammensetzen. So, wie das auch mit anderen Branchen gemacht wurde, zuletzt mit den Kinobetreibern. Am Ende soll ein gemeinsames Konzept stehen, das wir an die jeweilige Arena und Sportart anpassen können.

Für Ligen-Starts mit 1000 Zuschauern?

Grundlage sind die in Berlin aktuell zugelassenen 1000 Teilnehmer. Wir wollen jedoch prüfen, ob man mit einem ordentlichen Konzept auch zu anderen Zahlen kommen kann. Wie hoch diese sind, kann ich Ihnen heute nicht sagen. Dabei arbeiten wir sehr eng mit den Füchsen, Alba und den Eisbären zusammen.

Hat Sie die Absage von Gesundheitsminister Jens Spahn an das Zuschauerkonzept der Deutschen Fußball Liga enttäuscht?

Aufgrund der Meldungen der letzten Tage habe ich damit gerechnet. In einer Zeit, wo gerade die Zahlen der Infizierten nach oben gehen, wird es der Politik schwerfallen, parallel die Türen in den Stadien zu öffnen. Da muss man jetzt abwarten, wie sich die Zahlen entwickeln. Ob es bei 1000 Teilnehmern bleibt, ob es weniger oder mehr werden. Ob wir überhaupt spielen können. Es wird darauf ankommen, wie nachvollziehbar die Konzepte sind. Die DFL hat eines vorgelegt. Dabei darf man nicht vergessen: Allein die Erarbeitung kostet ja schon einen Haufen Geld, das wir alle gar nicht haben. Meine noch größere Befürchtung ist, dass die Umsetzung noch mal sehr viel Geld kostet.

Was meinen Sie?

Dass es am Ende heißt, um in einer Arena spielen zu können, braucht ihr eine spezielle Belüftungsanlage oder umfangreiche Desinfektionsmaßnahmen, während parallel die Zuschauereinnahmen aufgrund des Besucherlimits einbrechen. Eine andere Konsequenz könnte sein, dass Sponsoren sagen: Unter diesen Voraussetzungen brauche ich nicht zu werben.

Gibt es eine Mindestzahl an Zuschauern, ab der sich ein Bundesligaspiel in der Max-Schmeling-Halle für die BR Volleys rechnet?

Das ist sehr schwierig zu beziffern, weil wir ja die genauen Kosten für das Hygienekonzept nicht kennen. Fakt ist, dass wir mit 1000 Zuschauern sicher nicht die entstehenden Kosten abdecken.

Sind 1000 Zuschauer besser als gar keine?

Die Frage ist, wie viele Arenabereiche müssen wir aufgrund der Abstandsregelung für diese 1000 Besucher öffnen? Wenn wir den Oberrang aufmachen müssen, wird es wesentlich teurer, weil zusätzliches Reinigungs- und Sicherheitspersonal erforderlich ist.

Wäre es sinnvoller, ohne Zuschauer zu spielen?

Auch nicht, denn die Mietkosten für die Arena haben wir ja trotzdem und die Ticketeinnahmen würden so komplett entfallen. Daher ist es gehüpft wie gesprungen.

Ihre Hoffnung ruht auf einem ordentlichen Konzept?

Die Hoffnung ruht, ich sage das nur ungern, auf den staatlichen Unterstützungen, insbesondere auf dem 200-Millionen-Euro-Paket, das vom Bund als Corona-Überbrückungshilfe beschlossen wurde. Die Kriterien dafür sind noch nicht publik. Laut ersten Informationen ist es auf Ausfälle bei den Zuschauereinnahmen ausgerichtet. Jetzt muss man schauen, wie diese Kriterien konkret gesetzt sind und welche Zeiträume sie betreffen, damit man die Verluste zumindest teilweise kompensieren kann. Unterm Strich kann man sagen: Ohne diese Zusatzunterstützung, die wir jetzt vom Senat bekommen und hoffentlich auch durch das 200-Millionen-Paket erhalten, wäre ein Überleben der BR Volleys definitiv nicht möglich – Füchse, Alba und den Eisbären dürfte es ähnlich gehen.

Das Gespräch führte Karin Bühler.