Sprecher der Berliner Profiklubs: Volleys-Manager Kaweh Niroomand.
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BerlinEs ist zuletzt viel über den 130 Milliarden-Wumms, das Konjunktur-Paket für die deutsche Wirtschaft, diskutiert worden. Der Sport fühlte sich zunächst übergangen. Schon vor etwas mehr als einem Monat hatte sich Füchse-Präsident und CDU-Politiker Frank Steffel hingesetzt und einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben, einen „dramatischen Hilferuf des Sports“. Dabei bat er um finanzielle Unterstützung des Bundes für die Topligen im Handball, Eishockey, Basketball oder Volleyball. „Es drohen zahlreiche Insolvenzen und die Lage wird jeden Monat schlimmer“, schrieb Steffel, der sich auch bei seinem Parteikollegen, Wirtschaftsminister Peter Altmaier, für ein Unterstützungspaket eingesetzt haben soll. Nun soll es auch für die Topligen Überbrückungshilfen geben, 150 Millionen Euro sind angedacht, herausgeschnitten aus dem Gesamttopf, der für Wirtschaftsunternehmen allgemein vorgesehen war. 

„Das ursprüngliche Konjunkturpaket ist ja auf normale Wirtschaftsbetriebe ausgelegt und nicht explizit für die Bundesligavereine gedacht gewesen“, sagt der Sprecher der Berliner Profiklubs und BR Volleys-Manager Kaweh Niroomand. Ganz im Gegenteil: Die Bedingungen, Hilfen des Bundes zu beantragen, träfen vielerorts nicht auf den Sport zu. Was würden die Überbrückungshilfen von angedachten 150 Millionen Euro aufgeteilt auf mindestens 287 Bundesligisten für die Berliner Profiklubs bedeuten? Und wie könnte das Geld überhaupt verteilt werden?

Grundsätzlich geht es um die Abmilderung von Einnahme-Ausfällen. Im Eishockey, Volleyball, Handball oder Basketball wäre normalerweise ab Mai oder Juni ohnehin Sommerpause gewesen. Der Spielbetrieb hätte geruht. Insofern seien Einnahme-Ausfälle für die Eisbären, BR Volleys, Füchse oder Alba hier eher schwierig zu beziffern. Aus diesem Grund versuchen die Vertreter der Ligen nun, das Hilfspaket vom Bundeswirtschaftsministerium Richtung Bundesinnenministerium (BMI) zu dirigieren, „damit man die Kriterien für den Sport besser formulieren kann“, sagt Niroomand.„Dann müsste man schauen, inwieweit die Kriterien auf uns zutreffen.“

Dabei solle es keine Trittbrettfahrerei geben können, nur saubere Argumente. Wo liegen tatsächlich Ausfälle vor? „Für viele Vereine geht es darum zu überleben. Natürlich hilft es, wenn du aus der Politik Unterstützung bekommst“, sagt Eisbären-Geschäftsführer Peter John Lee, „wir können keine Saison mit Geisterspielen bestreiten. Deshalb geht es darum, an jedem Standort ein passendes Hygienekonzept zu entwickeln, mit dem wieder Zuschauer kommen können.“

Um bei möglichen Geisterspielen in der jeweils kommenden Handball-, Volleyball-, Eishockey-, oder Basketballsaison die jeweiligen Ausfälle angemessen beziffern zu können, schlägt Volleys-Manager Niroomand vor, die Zuschauereinnahmen im jeweiligen Zeitraum der vergangenen Saison zugrunde zu legen. 

Der zweite Teil, wofür sich Beträge aus dem Hilfspaket beziffern ließen, sind laut Niroomand die Hygienekonzepte für die jeweiligen Ligen. „Allein die Covid-19-Tests zu bezahlen würde unsere Möglichkeiten im Volleyball überschreiten. Deshalb würde ein Fonds helfen, der die Kosten für das Hygienekonzept auffangen würde.“

Sponsorenausfälle dagegen, seien individuelle Faktoren, die sich dann auch individuell darstellen lassen müssten, findet Niroomand. Ebenso wie Eisbären-Geschäftsführer Lee betont aber auch der BR Volleys-Manager: „Eine ganze Saison lang Geisterspiele können wir uns nicht leisten.“

Die Unterstützung der Berliner Sportfans scheint jedenfalls ungebrochen zu sein. Während die Dauerkarten-Inhaber der Füchse aus der abgebrochenen Saison insgesamt lediglich 1100 Euro zurückgefordert haben, halten auch die Eisbären-Fans ihrem Verein trotz unsicherer Lage weiterhin die Treue: „Ich bin sehr stolz auf unsere Fans, die trotz der Umstände positiv bleiben und weiterhin eine Dauerkarte haben möchten. Natürlich hoffen wir, dass sie bald wieder wie gewohnt zu uns kommen können“, sagt Geschäftsführer Lee.