Sechs Jahre Hertha mit 52 Toren und zum Abschluss ein Skandalvideo. Salomon Kalou bereut seine Dummheit.
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BerlinManager Michael Preetz wollte es, auch Trainer Bruno Labbadia hatte sich bemüht. Und natürlich hatten sich viele seiner Hertha-Mitspieler gewünscht, dass sie sich noch mal von ihm verabschieden können. Doch Salomon Kalou, 34, kam am Sonntagvormittag nach dem 1:2 in Mönchengladbach nicht zum gemeinsamen Saison-Abschlussfrühstück im Kabinentrakt auf dem Vereinsgelände. Er verzichtete auch auf einen Auftritt im vereinseigenen Internet-Livestream, bei dem alle scheidenden Spieler den Fans „Auf Wiedersehen!“ sagen konnten.

Es wäre für den Ivorer wohl ein Leidstream geworden. Denn der Klassefußballer, der vor sechs Jahren vom FC Chelsea zu Hertha kam, schämt sich noch immer für sein Live-Video, das vor acht Wochen zum Corona-Eklat und seiner Suspendierung führte. Es war ein Verstoß gegen die Hygiene-Regeln der DFL, aber noch viel schlimmer: Er hatte mit seinen laufenden Bildern aus der Kabine das Heiligtum einer Mannschaft verletzt und sogar das Mikrofon laufen lassen, als sich Kapitän Vedad Ibisevic und Per Skjelbred über die Gehaltskürzungen wegen der Coronakrise unterhielten. Mehr Tabubruch geht nicht.

Kalou entschuldigte sich dafür bei seinen Teamkollegen, doch er selbst kommt noch immer nicht damit klar, dass gerade ihm als erfahrenem Spieler so ein Bock passiert ist. Denn bis zu diesem 4. Mai konnte er nur stolz darauf sein, was er bei Hertha geleistet hatte. Er brachte den Fans ein Stück-Fußballzauber zurück, den die Anhänger zuletzt bei Marcelinho vor 14 Jahren genießen konnten. 172 Spiele, 53 Tore für Blau-Weiß ist seine Bilanz auf dem Rasen.

Unvergessen ist sein Turban-Auftritt von Hannover im Jahre 2015. Mit einer Kopfverletzung traf Kalou dort dreimal zum 3:1-Auswärtssieg. Das veranlasste sogar den damaligen Trainer Pal Dardai, dem Ivorer auf die Stirn zu küssen. Der Offensivkünstler war auch immer als Spaßvogel gut für die Stimmung in der Kabine. Er, Ibisevic und Skjelbred gaben als Routiniers nicht nur den Ton an, jeder spürte, dass sich da auch eine echte Männerfreundschaft entwickelt hat. Bis zu diesem Tag.

Als Per Skjelbred, der zurück nach Norwegen zu seinem Heimatverein Rosenborg Trondheim geht, sich am Sonntag per Internet in der Vereins-Talkrunde ein letztes Mal den Anhängern präsentierte, kam auch Kalou immerhin mit einer eingespielten Grußbotschaft an den Norweger zu Wort. „Wir haben sechs Jahre lang hier zusammengespielt. Du warst immer wie ein Bruder für mich. Du hast der Mannschaft immer geholfen. Ich hoffe, wir werden uns bald wiedersehen“, sagte Kalou. In den Sätzen steckt ehrliche Reue.

Doch das blau-weiße Kapitel ist für den Ivorer endgültig beendet. Er schaut in die Zukunft, denn mit dem Fußball Schluss machen will der Stürmer noch nicht. Auch deswegen hatte er gestern keine Zeit. Kalou steht in Verhandlung mit dem brasilianischen Erstligisten Botafogo FR. Dort soll er einen Vertrag über 18 Monate bekommen. Das meldete gestern das Sportportal Globesport aus Brasilien. Seine Freundin Karina Eugenia Ferreira Flores ist Brasilianerin, sie hat in Bremen studiert. Vielleicht findet Kalou in Südamerika sein neues Glück und schickt dann ein schönes Video.