Berlin - Dieser Block war das hanseatische Sahnehäubchen. 23 Punkte, fünf Rebounds sowie vier Assists hatte Kameron Taylor bereits gesammelt und überragende achtmal den Ball stibitzt. Als wollte es der Hamburger Shooting Guard aber noch einmal allen in der Arena am Ostbahnhof und vor den Bildschirmen zeigen, wer der Spieler der Partie war, vereitelte er acht Sekunden vor dem Ende Luke Sikmas Wurfversuch auf beeindruckende Art und Weise und ließ seinen Emotionen freien Lauf. Während Taylor kurz nach dem 75:68-Erfolg seiner Hamburg Towers im Siegerkreis mit den Teamkollegen seine Freude beinahe ein wenig ungläubig in Richtung Hallendecke herausschrie, schlichen die Spieler von Alba Berlin mit gesenktem Haupt in Richtung Kabine.

Niels Giffey trifft perfekt, das Team schwächelt an der Dreierlinie

Fast hatte man ein wenig Mitleid mit Niels Giffey, der noch nicht in die Kabine durfte, sondern sich den Fragen zur zweiten Niederlage gegen Hamburg innerhalb von zwei Wochen stellen musste. Während des Spiels sah Berlins Kapitän hin und wieder genervt vom giftigen Spiel der Hamburger aus, im Interview mit Magentasport wirkte er fast ratlos. „Wir sind alle ein wenig angefressen, weil es nicht unser Spiel, unser Rhythmus war“, sagte der 29-Jährige. Seine perfekte Trefferquote von 100 Prozent aus der Zweier- und Dreierdistanz sowie von der Freiwurflinie wollten so gar nicht zu den Statistiken der gesamten Berliner Mannschaft passen. Nur fünf von 23 Dreiern gingen überhaupt rein, erst der 15. Dreierversuch landete im vierten Viertel im Korb. Viel mehr waren es da seine drei Ballverluste, die sich zu den insgesamt 21 des gesamten Teams gesellten und die das Berliner Spiel negativ beeinflussten.

Manche dieser Ballverluste resultierten aus Unachtsamkeiten, manche aus ungewohnten Abstimmungsproblemen, ein großer Teil aber aus der Defensivarbeit der Gäste. Durchschnittlich 78 Punkte gestatteten die Towers ihren Gegnern in den bislang 27 Saisonspielen – der drittbeste Wert hinter Alba und Ludwigsburg. Teilweise ähnelt der defensive Ansatz der Towers sehr dem der Berliner. Der ballführende Spieler wird früh unter Druck gesetzt, die beweglichen Center kommen zum Doppeln dazu. Berlin gegen Hamburg wirkte defensiv ein wenig wie Alba I gegen Alba II. Aber: Selbst wenn die Towers mit Pedro Calles ebenfalls von einem Spanier trainiert werden, sind sie keineswegs eine Kopie des Basketballs, den sein Landsmann Aito Garcia Reneses seit fast vier Jahren in Berlin spielen lässt.

Alba Berlin will BBL-Pokal verteidigen

Und doch hat Calles seit Sommer des vergangenen Jahres ein System installiert, dass offenbar sehr gut zum Kader passt. Dass die Berliner jetzt beide Saisonspiele gegen diese Towers verloren haben, ist vor diesem Hintergrund als Warnung vor einem möglichen Wiedersehen in den Play-offs vielleicht gar nicht als so schlecht zu bewerten. Doch erst einmal richten sich die Berliner Blicke auf die erste Titelverteidigung am kommenden Wochenende. In Vorbereitung auf das Top Four um den BBL-Pokal in München aber „haben wir uns das Ganze etwas anders vorgestellt“, so Giffey mit Blick auf die Niederlage gegen die Towers, „wir haben jetzt eine Woche, um unseren Rhythmus zu finden“. Und am Dienstagabend (20.30 Uhr, Magentasport) ein weiteres Bundesligaspiel in Gießen.