Die Botschaft ist nach wie vor aktuell: Die Eisernen müssen sich auch in der Saisonvorbereitung weiterhin auf Pandemie-Bedingungen einstellen.
Foto: Matthias Koch/1. FC Union/Pool via Matthias Koch

BerlinAuf den ersten Blick ist alles wie immer. Der Sommerurlaub ist vorbei, alle sind zurück in der Stadt und posten keine Poolfotos mehr in den sozialen Netzwerken. Und wie immer steht vor der schweißtreibenden Vorbereitungszeit an den ersten drei Tagen dieser Woche der obligatorische Medizincheck bei den Profis des 1. FC Union an. Doch so wie die erste Bundesligaspielzeit für die Eisernen mit außergewöhnlichen Umständen endete, steht auch der Startschuss für das zweite Jahr in der Beletage des deutschen Fußballs im Zeichen der Pandemie. 

Erst am Donnerstag – bestandene Corona-Tests vorausgesetzt – geht es für die Kicker auf das Trainingsgelände, am Nachmittag dann bis Sonntag ins brandenburgische Bad Saarow, wo Union wie in den Vorjahren den Grundstein für die Mission Klassenerhalt legen will. Fans bleiben weiterhin außen vor. Das übliche Auftakttraining, gemeinhin ein Volksfest mit Bratwurstduft, Autogramme-Sammeln und Trikotverkäufen, ist Corona-bedingt weiterhin tabu. Es wäre unvernünftig, die Spieler vor dem Start auf das Virus testen zu lassen, nur um sie dann durch Massenaufläufe neuen Gefahren auszusetzen. Die Liga ringt noch damit, ob und wann Zuschauer wieder zu Spielen zugelassen werden. Und die Eisernen werden durch ihre vielen Stehplätze arg gebeutelt werden. Um die 4.000 Besucher dürften wohl im Herbst zunächst wieder in die Alte Försterei kommen. Schön ist anders, und das stößt nicht wirklich auf Gegenliebe.

Mit dabei sind auch die Neuzugänge. Am Wochenende gesellte sich zu den Herren Sebastian Griesbeck (ablösefrei aus Heidenheim) und Niko Gießelmann (ablösefrei aus Düsseldorf) ein dritter Kicker hinzu, diesmal auf Leihbasis. Vom japanischen Meister Yokohama F. Marinos stößt der zweifache Nationalspieler Keita Endo zu den Köpenickern. Der 22-Jährige gilt als sehr schnell, agiert vornehmlich auf dem linken Flügel und soll dort den Konkurrenzkampf anheizen.

Union hatte Endo schon länger im Blick

„Wir haben ihn lange beobachtet und freuen uns, dass er sich für den Schritt nach Köpenick entschieden hat. Keita ist ein sehr interessanter Spieler mit tollen Anlagen, der uns mit seiner Schnelligkeit und Technik weiterhelfen kann. Jetzt gilt es, ihn so schnell wie möglich zu integrieren und ihm das Ankommen in Deutschland so gut wie möglich zu gestalten, damit er sein volles Potenzial in der Bundesliga unter Beweis stellen kann“, kommentierte Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball, den Transfer.

Auch die zurückkehrenden Leihspieler Berkan Taz, Lars Dietz, Lennard Maloney und Nicolai Rapp stehen dann auf der Matte. Dem Vernehmen nach suchen die Köpenicker aber für sie ebenso Abnehmer wie für Florian Flecker und Julius Kade. Letzterer soll wohl bei Zweitliga-Absteiger Wehen-Wiesbaden zur Probe vorspielen. 

Nach aktuellem Stand hätten die Köpenicker übrigens mit den Eigengewächsen Leo Oppermann und dem aus Belgien zurückgekommenen Lennart Moser sowie den Herren Jakob Busk und Moritz Nicolas vier Torsteher. Auch da kann und muss es bis zum Ligastart am 18. September Veränderungen geben. Zumal immer noch nicht ausgeschlossen werden kann, dass Manager Oliver Ruhnert bis dahin eine neue Nummer 1 aus dem Hut hervorzaubert.

Danach ruft einmal mehr der Berg, genauer gesagt die Berge. Doch statt nach Österreich, in die Alpen, geht es – um in der Sprache der dort ansässigen Bevölkerung zu bleiben – heuer ins Unterallgäu nach Bad Wörishofen (17.–25. August). Dort, in den Voralpen, wo der legendäre Pfarrer Sebastian Kneipp im 19.Jahrhundert seine Wasserkuren entwickelte, will Trainer Urs Fischer seiner Truppe die benötigten Wechselbäder angedeihen lassen, damit sie die nötigen Reizpunkte für das Abenteuerland namens Bundesliga bekommt. 

Publikumsverkehr ist in dem schwäbischen Landkreis eher nicht vorgesehen. Der Besuch der Trainingseinheiten, der in den letzten Jahren immer öffentlich war, wird auch eingeschränkt werden. Das heißt auch, dass der bei vielen Fans sehr beliebte, obligatorische Mannschaftsabend mit dem Team aus Infektionsschutz-Gründen entfallen wird. Begegnungen zwischen Fans und Profis, der klassische Smalltalk oder das Autogramme-Sammeln zwischen Trainingsplatz und Hotel müssen auch unterbleiben oder stark limitiert werden. 

Testspiele sind zwar vorgesehen, doch das Fahnden nach geeigneten Sparringspartnern gestaltet sich kompliziert. Gegen Teams aus ausländischen Ligen kann angetreten werden, sofern diese die im deutschen Profifußball angewandten Hygieneregeln mit regelmäßigen Tests nutzen. Die klassischen Aufgalopp-Kicks gegen Amateurklubs gestalten sich unter den DFL-Vorgaben schwierig, da die gegnerischen Spieler ja ebenfalls getestet sein müssten.

Alles große Herausforderungen. Aber die dürften für Trainer Urs Fischer keine unüberwindbaren Hindernisse darstellen. Schließlich zeigte sich der Schweizer in den sozialen Netzwerken auf Bildern gut erholt. Auf Instagram postete er fleißig Bilder von seinen Fliegenfischer-Angeltouren im österreichischen Bad Goisern am Hallstätter See, wo er zusammen mit seinem Co-Trainer Markus Hoffmann stattliche Beute aus dem Wasser zog.