Präsident Dirk Zingler und der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Koch verfolgen auf der Tribüne das Geisterspiel des 1.FC Union gegen Düsseldorf. Beide wollen wieder mehr Menschen im Stadion haben. 
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BerlinDie Worte von DFL-Boss Christian Seifert bei der Nicht-Überreichung der Meisterschale in Wolfsburg an den FC Bayern - Kapitän Manuel Neuer nahm sie sich schlussendlich selber - müssen Union-Boss Dirk Zingler wehgetan haben. „Ja, es sieht anders aus, es hört sich anders an, und es fühlt sich anders an. Aber das war die einzige Bundesliga, die möglich war. Und die neue Saison wird mindestens zu Beginn noch genauso aussehen“, sagte der Bundesliga-Chef. Zingler hingegen hatte lautstark im Vorwort des Programmheftes zum Düsseldorf-Spiel für eine Liga mit Vollauslastung geworben.

„Ich wünsche mir für den Start der neuen Saison klare und verständliche Regeln für die Wiederzulassung von Menschen zu Großveranstaltungen ohne Abstandsregeln“, so Zingler. Denn ohne Zuschauer sieht er die Gefahr, dass das Erlebnis Fußball bei fortdauernder Geister-Atmosphäre beschädigt werde. Man zerstöre derzeit das, „was wir bisher genau auf diese Art und Weise lieben und was Teil unseres sozialen Lebens war“, so Zingler, der ja nie müde wird zu betonen:   „Wir spielen Fußball für die Menschen im Stadion.“

Die Fans sollen also zurück in die Alte Försterei - so schnell wie möglich. Der lautstarke Anhang ist die Kraft, die Union von vielen Konkurrenten unterscheidet. Für Union also von elementarer Bedeutung. Es ginge ihnen hier auch um die Emotionalität von Großveranstaltungen insgesamt. „Es geht nicht nur um den Fußball alleine, sondern es gibt da auch ganz andere Branchen, die am Boden liegen. Man muss nur an Konzerte denken. Der Mensch kann nicht immer mit 1,50 Meter Abstand leben“, so Unions Medienchef Christian Arbeit.

Wir wollen vor 22.000 Zuschauern spielen, nicht vor 5000

Unions Medienchef Christian Arbeit

Nun ist niemand in Köpenick so blauäugig zu glauben, dass Corona automatisch einen Bogen um die Alte Försterei machen wird, nur weil die Eisernen so ein sympathisches Völkchen sind. Doch ähnlich wie beim DFL-Konzept zum Re-Start, wo vorher zahlreiche Überlegungen angestellt worden waren, was alles zu beachten sei für eine Fortsetzung des Spielbetriebs, fordern die Eisernen eine ähnlich planvolle Herangehensweise für den Start der neuen Spielzeit.

„Wir wollen nicht drauf hinaus, vor 5000 Zuschauern im Stadion zu spielen, wir wollen auf 22.000 hinaus. Wenn es notwendig ist, werden wir Kompromisse mittragen. Aber wir gehen nicht von vorneherein mit reduzierten Erwartungen in diese Verhandlungen“, so Arbeit weiter.

Deshalb, so das eindringliche Postulat aus Köpenick, solle man doch bitte zuerst anfangen darüber nachzudenken, wie und unter welchen Bedingungen eine Vollauslastung zu erreichen sei. Also das Pferd nicht von hinten aufzäumen. Alles müsse dabei erlaubt sein, sprich Hygienereglungen, Mundschutz, Fiebermessung beim Einlass. Auch die bei Fans unbeliebten personalisierten Tickets zwecks besserer Nachverfolgung im Infektionsfall dürften bei den Gedankenspielen kein Tabu sein. Auch das Nutzen der Corona-App könnte angedacht werden als Grundvoraussetzung für den Einlass ins Stadion. 

34 Spiele ohne Fans für Union undenkbar

Union braucht die Unterstützung der Fans. Als Motivation für das Team, aber auch für die knappen Finanzen. „Wenn wir 34 Spieltage ohne Fans absolvieren müssten, wäre das definitiv für einen Verein wie unseren elementar negativ“, sagte Manager Oliver Ruhnert. Durch die gestiegenen TV-Erlöse nach dem Aufstieg haben sich die Zuschauereinnahmen in der Relation aller Erlöse zwar nach unten bewegt, aber die im Etatansatz 19/20 veranschlagten rund 4,7 Millionen Euro machen immer noch knapp sieben Prozent der Gesamteinnahmen aus. In Liga zwei waren es Vorjahr noch knapp zehn Prozent gewesen. Mit im Nachhinein ein Argument, warum die Liga unbedingt mit Geisterspielen eine Fortsetzung hatte erfahren müssen.

Doch unabhängig davon wünscht man sich in Köpenick, dass man bei der Rückholung der Menschen in die Stadien eine ähnliche Rolle spielen könnte wie beim Ligastart durch das DFL-Hygienekonzept. Deshalb bündeln die Eisernen bis ganz oben in der Chefetage alle Kräfte, um auf eine Rückkehr der Anhänger bei den Entscheidern in Liga und Politik hinzuwirken.