Kenneth Ogbe: Der Prince von Bel Air ist angekommen

Die Aufgabe war schon eine auf dem höheren Level. Mit Dmitry Kulagin bekam Kenneth Ogbe ausgerechnet den erfolgreichsten Werfer des Gegners in Krasnodar vorgesetzt. Alba Berlins Sommerzugang meisterte diese Aufgabe im Eurocup dennoch mit Bravour, hielt Kulagin bei lediglich einem Punkt. „Ich habe versucht, so gut es geht, vor ihm zu bleiben“, sagt Ogbe, um mit dem nächsten Satz nicht allein die Lorbeeren ernten zu wollen: „Am Ende war es aber eine Teamleistung. Wir haben uns gegenseitig geholfen und ihn bei einem Punkt gehalten.“

Die Arbeit in der Verteidigung ist bei vielen Basketballern nicht die beliebteste. Sie fällt den meisten Zuschauern nicht auf, weil sie in keiner Statistik auftaucht, und sie ist anstrengend. Und doch ist sie für Kenneth Ogbe keine Strafe. „Es macht mir schon sehr viel Spaß, wenn man weiß, dass der Gegner einen richtig guten Spieler hat und man das Vertrauen bekommt, den verteidigen zu dürfen“, sagt der 23-jährige Flügelspieler. Bei Alba erhält er das Vertrauen, das ein junger Profi benötigt. Nicht nur gegen eins der stärksten Teams im Eurocup, sondern auch in den anderen Ligen.

Am Sonnabend gegen Göttingen

Wenn die Berliner am Sonnabend um 18 Uhr in der Arena am Ostbahnhof die BG Göttingen empfängt, ist der überraschende Sieg in Krasnodar vom Mittwochabend aber schon wieder Geschichte.

Die unbesiegten Gastgeber sind, auch ohne die verletzten Peyton Siva und Joshiko Saibou, der Favorit. Aber: „Auch Göttingen ist eine richtig gute Mannschaft, die eine richtig gute Saison spielt“, sagt Kenneth Ogbe, „niemand hier unterschätzt irgendeinen Gegner.“

Nach einer gewissen Anlaufzeit fühlt sich der gebürtige Münchner in Berlin wohl. „Mittlerweile bin ich angekommen. Ich bin sehr dankbar, dass ich meinem ersten Jahr so ein Team gefunden habe, mit Coaches und Spielern, wo ich mich nur wohlfühlen kann“, sagt er. Auf der Halloween-Party mit den Teamkollegen am Wochenende war Ogbe als Prince von Bel Air für Außenstehende nicht ohne Erklärung zu erkennen. Seine Mitspieler, die ihn nach einem Friseurbesuch als diesen bezeichnet hatten, wussten aber genau, welche Verkleidung er gewählt hatte.

Die Eingewöhnungszeit im neuen Team und der neuen Stadt wurde ihm, auch durch solche Partys, einfach gestaltet. Ogbe zahlt mit Leistung zurück. In der Bundesliga mit 5,5 Punkten und 3,3 Rebounds in durchschnittlich 14 Minuten. Gegen Krasnodar durfte der 23-Jährige sogar knapp 20 Minuten ran und lieferte, neben seiner starken Verteidigung, sieben Punkte. Ogbe wirkte dabei abgeklärt und unbeeindruckt von der zwischenzeitlichen Aufholjagd des Gegners. Jetzt freut er sich bereits auf die nächste Aufgabe. Und den nächsten Gegenspieler.