Kenneth Ogbe: Deshalb steht der Basketballer für Alba Berlins Personalpolitik

Einige Jahre vor Erscheinen des aktuellen Buches über Dirk Nowitzki flimmerte auch schon ein Film mit Deutschlands bestem Basketballer in den Kinosälen. Hauptinhalt war, neben Anekdoten aus Nowitzkis Basketballkarriere und seinem Privatleben, vor allem seine ständige Arbeit am Wurf. Gemeinsam mit seinem Entdecker und Mentor, Holger Geschwindner, tüftelte der im Sommer zurückgetretene Nowitzki am perfekten Wurf. Ein Geheimnis, dem viele Basketballer auf der Spur sind. Auch Kenneth Ogbe hatte nach seiner ersten Profisaison das Gefühl, im Sommer etwas ändern zu müssen. „Bei mir hatten sich Sachen eingeschlichen, die meinen Wurf verändert haben“, erzählt Alba Berlins Flügelspieler, „ich bin jetzt wieder zu den alten Regeln zurückgegangen, um mehr Stabilität zu bekommen.“

Ogbe beim früheren Coach

Wenn bei Alba Berlins Basketballern von all den Spielern im Kader die Rede ist, die über Potenzial verfügen, das es zu fördern gilt, dann ist damit auch Kenneth Ogbe gemeint. Der 24 Jahre alte und 1,98 Meter große Shooting Guard startet in seine zweite Saison bei den Berlinern. Am Sonntag stand er in Oranienburg auf dem Parkett im Testspiel gegen Braunschweig (87:69 (49:26). Insgesamt 6:23 Minuten war im Einsatz, in denen er immerhin sieben Punkte aus dem Feld erzielte, darunter ein Dreier. Die Arbeit an der Wurftechnik zeigt offensichtlich Wirkung.

Ähnlich wie Dirk Nowitzki tat auch Kenneth Ogbe nicht allein getüftelt. Der 24-Jährige verbrachte eine Woche bei seinem früheren Trainer. Zusammen mit Felix Czerny ging es auf Wandertouren im Allgäu, aber natürlich auch in die Trainingshalle. Das Vertrauen der beiden zueinander ist groß. „Er kennt mich besser als jeden anderen, er ist wie ein Familienmitglied für mich“, erzählt Ogbe. Noch immer steht er seinem ehemaligen Trainer sehr nah, kommuniziert fast jeden Tag mit ihm. Nun also wurde vielen Aspekten des Basketballspiels gearbeitet, vor allem aber am Wurf.

In seinen vier Jahren am College in Utah sei der immer gut gewesen, sagt Ogbe. In seinem ersten Jahr kam der gebürtige Münchner auf stabile, aber nicht beeindruckende 39,6 Prozent aus dem Zweierbereich in der Bundesliga, ausbaufähige 23,1 Prozent waren es lediglich von der Dreierlinie. Zahlen, die einem eigentlich guten Werfer kein gutes Gefühl, keine Sicherheit auf dem Feld geben.

Eine Frage der Entscheidung

Kenneth Ogbe hat den Sommer aber auch dazu genutzt, um an anderen Dingen zu arbeiten. Die Entscheidungsfindung während einer Partie ist noch immer ein Aspekt in seinem Spiel, den er verbessern muss, auch das Ballhandling und Eins-gegen-Eins-Situationen standen auf seinem persönlichen Aufgabenzettel. Im Privatleben hat Ogbe ebenfalls eine wichtige Angelegenheit erledigen können: Er heiratete in den USA seine Freundin. In den Flitterwochen fuhr der Guard das Training herunter. „Zumindest habe ich keinen Basketball angefasst und bin davon mal weggekommen“, erzählt er, „das braucht man nach einer so langen Saison auch mal.“

Auch mit Blick auf die neue Spielzeit mit mindestens 67 Spielen in drei Wettbewerben hat Kenneth Ogbe körperlich zugelegt, etwas zusätzliche Muskelmasse draufgepackt. „Eigentlich habe ich gehofft, dass es etwas mehr wird, aber das fällt mir schon mein ganzes Leben schwer“, sagt er und lächelt.

Ogbe weiß nach einem Jahr bei Alba, was er dem Team geben kann. Gerade in der Verteidigung sei er in der Lage, auf höchsten Niveau zu spielen und damit wichtige Energie zu liefern. Die konnte er durch eine Adduktorenverletzung in der Vorbereitung noch nicht oft einbringen, doch stand er im Testspiel am Donnerstag vergangener Woche  zwölf Minuten auf dem Feld. Gegen Villeurbanne nahm er einen Wurf und traf diesen. Nun gegen Braunschweig verwandelte er drei von vier Versuchen. Es waren Würfe für das Gefühl, Würfe für die Sicherheit.