Keven Schlotterbeck: So profitiert der Unioner von einer Gelb-Roten Karte

Die Wut musste einfach raus. Keven Schlotterbeck wäre sonst wohl innerlich explodiert. Beim 1:1 in Augsburg vor fast vier Wochen sah der 22 Jahre alte Innenverteidiger des 1. FC Union in der 84. Minute die Rote Karte. Noch auf dem Rasen fasste sich Schlotterbeck mit beiden Händen an den Kragen und riss das Jersey von oben nach unten zur Seite auf. „Ich war sehr wütend und habe richtig Kraft entwickelt. Ich habe mich damals in erster Linie über mich selbst geärgert, weil es eine blöde Rote Karte war“, sagt der gebürtige Schwabe. Er habe ein paar Tage gebraucht und viel nachgedacht: „Was hätte ich anders machen können?“

Schlotterbeck fliegt vom Platz

Der erste Platzverweis in seiner Karriere als Profi wurmte Schlotterbeck, der eigentlich ein ruhiger und zuvorkommender Zeitgenosse ist. Einmal, erinnert er sich, wurde er schon mal des Feldes verwiesen.  „Ich habe mich damals über einen nicht gegebenen Eckball in der Schlussphase geärgert und sah dafür Gelb-Rot.“ Seinerzeit, Mitte Oktober 2015, spielte Schlotterbeck als Amateur vor 100 Zuschauern in der Verbandsliga Württemberg, der sechsten Liga, gegen den SV Böblingen. Drei Jahre später kickt Schlotterbeck gegen die Großen der Branche.

Am Sonnabend wird Keven Schlotterbeck bei Bayer Leverkusen aller Voraussicht nach zu seinem dritten Bundesligaeinsatz für Union und dem zwölften insgesamt kommen. Die Leihgabe des SC Freiburg profitiert von der Sperre von Teamkollege Neven Subotic, der in der Schlussphase gegen Werder Bremen Gelb-Rot sah. „Es muss nicht gleich heißen, dass ich reinkomme. Aber ich rechne mir natürlich etwas aus“, sagt Schlotterbeck. Schließlich habe er in den letzten Wochen viel Zeit gehabt, sich im Training anzubieten. Die Zeit der Sperre, die durch die Länderspielpause fast vier Wochen andauerte, nervte Schlotterbeck: „Es macht keinen Spaß, auf der Tribüne zu sitzen und von oben zuzuschauen.“

Ehrenplatz im Union-Museum

Gegen Leverkusen werden es die Unioner auch mit Kai Havertz zu tun bekommen. Den bezeichnet der Unioner als „Jahrhunderttalent“. Mit dem 20 Jahre alten Nationalspieler verfüge Leverkusen über viel Tempo. „Das wird eine schwierige, aber schöne Herausforderung für uns“, sagt Schlotterbeck. Die Devise: „Wir müssen das Zentrum dicht machen und dürfen auch über die Flügel nicht viel zulassen. Leverkusen hat schon sehr viel Qualität.“

Übrigens: Das zerrissene Trikot von Schlotterbeck aus dem Augsburg-Spiel wird einen Ehrenplatz finden. „Es kommt demnächst ins Vereinsmuseum, weil es die historische erste Rote Karte in der Bundesliga für Union war“, sagte er. Der Verein plant, im Zuge des Stadionausbaus ein Vereinsmuseum zu errichten. Als möglicher Standort war das Forsthaus am Stadion An der Alten Försterei im Gespräch.