Kevin Trapp sieht seine Chance im DFB-Team gekommen.
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Frankfurt a.M.Kevin Trapp hat bereits am Wochenende übermittelt, was ihm für die nächsten Tage wichtig ist. „Time für @dfb_team“, schrieb der Torhüter bei Instagram und setzte unter ein Foto, auf dem er in DFB-Kleidung lässig einen Ball auf seinem Zeigefinger jongliert, noch Faust- und Feuerzeichen. Wenn einer für die Länderspiele im Rahmen der Nations League gegen Spanien (Donnerstag, 20.45 Uhr/ZDF) und in der Schweiz (Sonntag, 20.45 Uhr/ ZDF) brennt, dann der für seinen Ehrgeiz bekannte Ballfänger von Eintracht Frankfurt.

Dass sich der 30-Jährige vielleicht noch ein bisschen mehr vorgenommen hat als bei früheren Einladungen, liegt an der besonderen Konstellation: Mit dem nach Bayerns Champions-League-Triumph noch dienstbefreiten Kapitän Manuel Neuer und dem nach Barcelonas Königsklassen-Aus umgehend am Knie operierten Marc-André ter Stegen fehlen die etatmäßigen Nummern eins und zwei – und jetzt wittert die Nummer drei mehr als nur eine Einsatzchance. Für den gebürtigen Saarländer geht es darum, seinen Status als dritter Schlussmann hinter zwei Weltklasse-Torleuten zu festigen.

Trapp hat nach einer Klasseleistung im Test bei Ajax Amsterdam (1:2) seine Ansprüche frank und frei formuliert: „Ich habe immer gesagt, dass ich gerne wieder für Deutschland spielen möchte. Seit rund einem Jahr war das wegen meiner Verletzung und Corona nicht möglich.“ Die DFB-Auswahl weist ihn offiziell als Nummer eins aus. Das sei allerdings kein Zeichen dafür, versicherte er artig, „dass ich spiele.“

Klares Ziel von Trapp ist die verlegte EM im kommenden Sommer, wo er unbedingt dabei sein will. Damit Bundestrainer Joachim Löw nicht wie noch vor der WM 2018 lange grübeln und sich mit Bundestorwarttrainer Andreas Köpke abstimmen muss, wer das Trio zwischen den Pfosten beim Turnier komplettiert. Aber auch Bernd Leno dürfte in Stuttgart nicht grundlos den Finger für einen Einsatz heben, zumal der Schlussmann des FC Arsenal genau wie Timo Werner oder Antonio Rüdiger persönlichen Bezug zum schwäbischen Spielort aufbringt: Bereits als Elfjähriger kam er einst von Germania Bietigheim in die VfB-Jugend, um dann in der zweiten Mannschaft und 3. Liga eine so gute Figur zu machen, dass ihn Bayer Leverkusen vor neun Jahren als Ersatz für den verletzten René Adler auslieh.

Die Werkself gab das Talent dann gar nicht mehr her. Leno galt lange als Keeper, der mit seinem Dauerrivalen ter Stegen um die Neuer-Nachfolge streiten würde. Inzwischen aber hat der 28-Jährige an Ansehen verloren. Möglicherweise haben auch die „Gunners“ sich mehr vom sechsfachen deutschen Nationaltorhüter versprochen.

Trapp tritt selbstsicher auf

Trapp hat sogar erst drei Länderspieleinsätze vorzuweisen: Das Debüt feierte er am 6. Juni 2017 beim Freundschaftsspiel in Dänemark (1:1) vor dem Confed Cup, wo er als einziges Kadermitglied nicht zum Einsatz kam. Sein bislang letztes A-Länderspiel bestritt er am 27. März 2018 gegen Brasilien (0:1) vor der WM 2018. Ungewohnt deutlich hat sein Vereinstrainer Adi Hütter Stellung zur neuen Torwart-Hierarchie bezogen. „Ich gehe davon aus, dass Kevin im Tor stehen wird“, sagte der Eintracht-Coach mit Blick aufs Spanien-Spiel. „Er hätte es verdient, er ist ein super Tormann.“ Doch Trapp hatte zuletzt selbst in einer Presserunde Steigerungsbedarf bei sich selbst ausgemacht.

Als die Eintracht ihn im vergangenen Sommer endgültig fest verpflichtete und mit einem Langzeitvertrag bis 2024 ausstattete, war das klare Ziel, ihn zur Identifikationsfigur aufzubauen. So eloquent, polyglott und selbstsicher er außerhalb des Platzes auftritt, er legte auf dem Rasen nicht immer perfekte Leistungen hin. Vor allem schaffte er es zu selten, Spiele für seine Mannschaft zu gewinnen, wie es beispielsweise der vom SC Freiburg zu Hertha BSC gewechselte Alexander Schwolow tat. Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass es vor Schwolows Wechsel häufig hieß, Trapp könnte in die Hauptstadt kommen. Wechselgerüchten schob er dann selbst einen Riegel vor. Der Neu-Berliner Schwolow wiederum hat nun betont, er hoffe noch auf eine Berufung ins Nationalteam.

Rückenwind dürfte dem 28-Jährigen der aktuell vierte Platz in der Torwart-Rangliste des Fachmagazin „Kicker“ geben. Hier wird Trapp übrigens erst an Position acht geführt, einen Platz dahinter taucht mit Oliver Baumann derjenige auf, der das Trio der Keeper im DFB-Kader komplettiert: Der zuverlässige Rückhalt der TSG Hoffenheim hätte wohl selbst nicht mehr gedacht, in den elitären Zirkel reinschnuppern zu dürfen. Die Nominierung des 30-Jährigen begründete Löw recht pragmatisch. „Er ist schon lange da und hat konstant gute Leistungen gezeigt.“ Trotzdem wird sich der Spätberufene vermutlich hinter Trapp und Leno einreihen müssen.