BerlinVon Klinkenputzen zu sprechen, wäre ein bisschen übertrieben, dafür hat Kim Ng zu viele hochrangige Positionen im Baseball-Business bekleidet. Aber gedauert hat es schon, bis sie endlich ihr großes Ziel erreichte. Fünfmal war die 51-Jährige seit 2005 bei Klubs der Major League Baseball (MLB) in der Auswahl für die Position des General Manager (GM) und absolvierte Vorstellungsgespräche, doch immer bekam ein Mann den Job. Nun hat es bei den Miami Marlins endlich geklappt, Kim Ng ist damit die erste Frau, die einem Team in den vier großen nordamerikanischen Profiligen vorsteht.

Dass die Vorreiter nicht aus dem Basketball, Football oder Eishockey, sondern dem als besonders konservativ geltenden Baseball kommen, mag verwundern, doch auch hier ändern sich langsam die Zeiten. Klubchef Derek Jeter hat sich die Modernisierung des Franchise aus Florida auf die Fahnen geschrieben und ist offen für neue Wege. Ein Teambesitzer, der sie als GM einsetze, sagte Kim Ng einmal etwas resigniert, müsse „sehr mutig“ sein „oder einfach blind“. Letzteres kann man bei Jeter ausschließen, immerhin hat er in seiner langen Karriere bei den New York Yankees 260 Homeruns geschlagen. An Mut hat es dem New Yorker Baseballidol, das 2014 seine aktive Laufbahn beendete, indes nie gefehlt.

Kim Ng erwartet eine schwierige Aufgabe

Kim Ng hat Jeter einst bei den Yankees kennengelernt, wo sie von 1998 bis 2001, als das Team dreimal die World Series gewann, Assistant General Manager war. Zuvor hatte die Tochter chinesischer Einwanderer an der University of Chicago studiert, wo sie auch erfolgreich Softball spielte. 1990 war sie dann als Praktikantin bei den Chicago White Sox ins Baseball-Geschäft eingestiegen, das sie nicht mehr verließ. Schnell bekam die allseits für ihre Kompetenz und ihren Fleiß gepriesene junge Frau eine feste Anstellung und stieg rasch auf. Nach ihrer New Yorker Zeit wurde sie Assistant GM bei den Los Angeles Dodgers, wo sie 2005 bei der Bewerbung für den Chefposten erstmals scheiterte. 2011, als sich die Dodgers in den Wirren eines Besitzerwechsels befanden, ging sie als Vizepräsidentin zur Major League Baseball, wo sie für das internationale Geschäft verantwortlich war.

Bei ihrem neuen Job erwartet Kim Ng eine schwierige Aufgabe, die Marlins sind eines der finanzschwächsten Teams der Liga. Dennoch erreichten sie in diesem Jahr mit einem vergleichsweise preiswerten Kader erstmals seit 2003, als sie die World Series gewannen, überraschend die Playoffs. Im Viertelfinale schieden sie gegen die Atlanta Braves aus. Ihr Ziel sei nichts Geringeres als die Meisterschaft, sagte die neue Generalmanagerin in einem ersten Statement, und bei der Verfolgung ihrer Ziele sei sie „sehr stur“. Das hat Kim Ng längst bewiesen.