KKR: Die Firmenjäger

Franz Müntefering, im Herbst 2004 SPD-Vorsitzender, nannte damals Firmen wie KKR „Heuschrecken“. Es handelt sich dabei um Beteiligungsgesellschaften, die mit Firmen handeln – und dabei hohe Gewinne machen. Die 1976 von Jerome Kohlberg, Henry Kravis und George R. Roberts gegründete KKR gehört zu den Großen der Branche. 60 Millionen für Hertha wären für die New Yorker Kleingeld. Vor wenigen Tagen kaufte die KKR den US-Finanzdienstleister Sedgwick Claims für 2,4 Milliarden Dollar.

Das Geschäftsmodell von Firmenjägern wie KKR ist relativ einfach: Sie sammeln von Anlegern wie Pensionskassen oder Versicherungen Geld ein und kaufen aussichtsreiche Unternehmen, sanieren sie und verkaufen sie wieder, als Ganzes oder in Einzelteilen. Für den Kauf werden zusätzlich häufig hohe Kredite aufgenommen. Diese Kredite werden dann auf das gekaufte Unternehmen übertragen – womit es dann oft überlastet ist.

WMF und Kion im Portfolio

So wie die Werkstatt-Kette ATU, die KKR im Jahr 2004 für 1,45 Milliarden Euro übernahm. Doch die Geschäfte bei ATU liefen schlecht. Zudem hatte KKR der Werkstätten-Kette zu viele Schulden aufgebürdet. Ende 2013 wandelten die Gläubiger ihre Forderungen in Eigenkapital um, der Anteil von KKR an ATU schrumpfte damit auf nur noch drei Prozent – eine Pleite für die erfolgsgewohnten Financiers. Rentabler verlief die Übernahme des Dualen Systems Deutschland Anfang 2005, das KKR 2010 wieder an einen anderen Finanzinvestoren weiterverkaufte – nicht ohne vorher viel Geld aus der prall gefüllten Firmenkasse der Grüne-Punkt-Firma genommen zu haben.

Ein Erfolg wurde auch der Handel mit ProSiebenSat.1: Ende 2006 kaufte KKR gemeinsam mit dem Finanzinvestor Permira dem Eigentümer Haim Saban seine Anteile an dem Fernsehsender ab. Anschließend musste ProSieben auf Geheiß der Eigentümer die Senderkette SBS teuer erwerben – die Folge: drei Milliarden Euro Schulden. Gleichzeitig gingen die Werbeumsätze wegen der Rezession zurück. Doch dann drehte der Wind, das Programm wurde modernisiert, der SBS-Kauf rückabgewickelt, die Wirtschaft wuchs wieder – und KKR machte Kasse. Vor wenigen Tagen verkauften die Amerikaner ihre letzten ProSieben-Anteile. Ihr Gewinn auf das eingesetzte Kapital soll etwa 30 Prozent betragen haben, was in dieser Branche nicht viel ist.

Zum Portfolio von KKR in Deutschland gehören heute noch der Geschirrhersteller WMF und der weltgrößte Gabelstapler-Produzent Kion. KKR und sein Kion-Partner Goldman Sachs nutzten kürzlich den gestiegenen Kurs der Firmenaktie, verkauften ein Fünftel ihrer Anteile und verdienten 315 Millionen Euro.