Ohne großes Getöse ist der 1. FC Union am Montag in die Vorbereitung zur Zweitligarückrunde gestartet. Bei dichtem Nebel und ungemütlichem Sprühregen fand sich der komplette Kader, exklusive dem angeschlagenen Marc Torrejón, jedoch inklusive dem zuletzt maulenden Simon Hedlund am Trainingsgelände an der Alten Försterei ein. Nach einem fünfminütigen Mannschaftskreis gingen die Unioner vor handgezählten drei Trainingskibitzen einfach wieder ihrer Arbeit nach. Ganz unspektakulär.

Für mehr Rummel gab es allerdings auch keinen Grund, zumindest wenn es nach Christopher Trimmel geht: „Natürlich hat der Trainer kurz ein paar Worte gesagt, aber so lang war der Urlaub ja nun auch nicht.“ Unions Kapitän hat es sich nach einer schweißtreibenden Hinrunde in den vergangenen Wochen erst einmal gutgehen lassen. Nur kurz sei er in der österreichischen Heimat gewesen, dann ging es mit seiner Frau Arnela in die Sonne Südafrikas.

Abschalten in Südafrika

Eine Auszeit, die sich der 31-Jährige mehr als verdient hat. Denn Trimmel reduzierte sein Kapitänsamt bei den Köpenickern zu keiner Zeit auf die dekorative Binde am Arm, sondern nahm die Vorbildfunktion von Anfang an als wichtige Verantwortung an. Auch dank seines Engagements gelang es Union, ein Erfolgsrezept im Wettstreit mit der ambitionierten Ligakonkurrenz zu entwickeln: Konstanz.

„Was uns in den letzten Jahren gefehlt hat, war die Fähigkeit, unsere guten Leistungen über einen konstanten Zeitraum abzurufen“, erinnert sich der Rechtsverteidiger und erklärt: „Natürlich hatten wir auch in der Hinrunde Schwächephasen, aber das waren eher mal einzelne Halbzeiten oder ein kurzer Spielabschnitt.“

Dafür gab Trimmel zwar den Anführer, nahm allerdings auch seine erfahrenen Kollegen in die Pflicht: „Mein Ziel als Kapitän war von Anfang an, dass die routinierten Spieler kontinuierlich ihre Leistungen erbringen, damit sich unsere jüngeren Mitspieler daran orientieren können.“ Mit großem Erfolg: Marvin Friedrich blühte beispielsweise neben Florian Hübner in der Defensive weiter auf, ebenso wie Grischa Prömel neben dem erfahrenen Manuel Schmiedebach.

So legte Union in der Hinserie den Grundstein für den fortwährenden Kampf um die Aufstiegsplätze − trotz der teils schier übermächtigen Konkurrenz. Dass die in der Winterpause noch einmal munter mit Anthony Modeste (Köln) oder Alexander Meier (St. Pauli) nachlegen konnte, tangiert Trimmel kaum: „Ich bin sehr zufrieden mit unserem Kader. Wir haben zum ersten Mal eine wirklich überragende Bank, mit der wir im Spiel und bei Verletzungen immer optimal reagieren können.“

Schlusswort voller Kampfgeist

Die Frage, ob in Anbetracht dieser Qualitäten die Ansprüche an der Alten Försterei nicht eigentlich automatisch steigen müssten, verneint der Österreicher jedoch entschieden. „Ich bleibe dabei, dass wir weiter von Woche zu Woche schauen. Und das kommuniziere ich auch so in der Kabine“, bekräftigt er und erklärt: „Man verliert schnell den Fokus, wenn man sich nicht auf die unmittelbare Aufgabe fixiert.“

Zwar weiß auch Trimmel: „Die ersten beiden Spiele gegen den 1. FC Köln und den FC St. Pauli sind richtungsweisend.“ Doch betont er auch: „Wenn wir gegen Köln verlieren, setzen wir uns danach nicht in die Kabine und sagen: ’So, das war’s, wir geben auf’.“ Dafür sind die Eisernen nach ihrer Hinserie zu selbstbewusst und auch ein wenig zu stolz. So wie ihr Kapitän, der sich schließlich doch noch etwas in die Karten schauen lässt, als er voller Kampfgeist zugibt: „Wir werden immer an unsere Chance glauben. Bis zum letzten Spiel.“