Berlin - Dieser Jubel war schon sehr emotional. Nein, Meister ist der THW Kiel am Sonntag in Berlin nicht geworden. Der Erfolg in der Schmeling-Halle aber war ein weiterer Schritt zum nächsten Titel, vor allem aber hart erkämpft und wurde deshalb wohl so ausschweifend bejubelt. Die Füchse hingegen waren nach dem 26:28 enttäuscht, weil „Kleinigkeiten“, wie es Hans Lindberg sagte, fehlten. „Das war ärgerlich“, so der Rechtsaußen. 

Füchse minimieren die Fehlerquote

Genau wie im ersten Duell, als er mit seinen Teamkollegen mit einer 16:13-Führung in die Kabine ging, lieferten die Füchse auch am Sonntag in den ersten 30 Minuten einen überzeugenden Auftritt. Auch wenn die Gastgeber über weite Strecken in Rückstand lagen, war das Kräftemessen mit dem Tabellenführer hart umkämpft und knapp. Mit dem Selbstvertrauen der vergangenen zwei Partien wirkten die Spieler im Angriff gefestigter und fehlerfreier. Wenngleich nicht jeder Wurf ins Tor ging, wurde die Zahl der Abspielfehler minimiert, wodurch der THW kaum Möglichkeiten für Tempogegenstöße hatte. Jedes Tor mussten sich die Gäste erarbeiten, wählten dafür öfter mal die Option des siebten Feldspielers oder profitierten von den Zeitstrafen gegen die Berliner.

Doch die ließen sich auch von daraus resultierenden, zwischenzeitlichen Drei-Tore-Rückständen nicht verunsichern. Selbst die Tatsache, dass Dejan Milosavljev überhaupt keine Hand an den Ball bekam und Fredrik Genz in der ersten Hälfte auch nur zwei Paraden zeigen konnte, wirkte sich nicht negativ auf das Ergebnis aus. Weil die Kieler sich gegen die kompakte Abwehr der Füchse schwer taten und sich Fehler leisteten, die von den Füchsen bestraft wurden. Weil Hans Lindberg keine Nerven an der Sieben-Meter-Linie und sich Lasse Anderson treffsicher zeigte. Und weil die Berliner das Rotationsprinzip auf Eis gelegt haben: Nicht mehr in jedem Spiel das Team komplett durchwechseln und die Einsatzzeiten möglichst ausgeglichen verteilen, sondern eine erste Sieben auf das Parkett stellen und ihr mit ein paar positionsgetreuen Wechseln kurze Pausen gönnen.

Spielmacher Jacob Holm sprach im Vorfeld der Partie am Sky-Mikrofon davon, dass die Verteilung der Spielzeit für Probleme gesorgt hatte. „Das wird jetzt ein wenig besser und jedem ist bewusst, was seine Rolle ist“, so Holm. Das brachte bereits am Donnerstag bei den Rhein-Neckar Löwen Stabilität und erzielte auch gegen Kiel den gewünschten Erfolg. Kurz vor der Pause, als es die ersten Verschnaufpausen gab, gingen die Füchse erstmals in Führung, mit dem Pausenpfiff erhöhte Paul Drux auf 17:15.

Kiel spielt ohne Superstar Sander Sagosen

Aber natürlich ist der THW Kiel keine Laufkundschaft und kann selbst ohne Superstar Sander Sagosen, der diesmal verletzt fehlte, solche Rückstände aufholen. Das war den Kielern bereits im Hinspiel gelungen und mündete am Ende in einer klaren Berliner Niederlage. Und auch am Sonntag hatte der THW den Rückstand schnell wettgemacht, lag nach knapp 14 Minuten des zweiten Durchgangs wieder in Führung. Doch anders als im ersten Aufeinandertreffen blieb diese Partie spannend, knapp acht Minuten vor dem Schluss war nach dem fünften verwandelten Siebenmeter von Hans Lindberg beim Stand von 23:23 für beide Mannschaften alles drin. Am Ende waren es die Kleinigkeiten – verfehlte Würfe bei den Füchsen, nervenstarke Kieler – die über den Sieg entschieden.