Die Fans des 1. FC Union unterstützen ihr Team mit Gesängen vor dem Stadion. Die Fußballer bedanken sich nach dem Abpfiff. 
Foto:
Union-Pool/Koch 

BerlinDer Abpfiff der Partie zwischen dem 1. FC Union und Schalke 04 war kaum verklungen, da erscholl ein Chor auf dem hinter dem Stadion gelegenen Waldweg. Lautstark wurde da der Wunsch vorgetragen, dass sich die Mannschaft doch bitteschön zeigen solle.  Einer Aufforderung, der das Team gern nachkam. Zudem in dem Gefühl, zuvor ihren Job recht gut verrichtet zu haben. Auch wenn ihnen beim 1:1 das i-Tüpfelchen, sprich ein Heimsieg, verwehrt blieb. 

Eine Szene, die vor allem einige Onlinemedien sofort zu skandalisieren gedachten. Mal wieder typisch Berlin. Da ist ja immer was. War da nicht dieser aus dem Ruder gelaufene Boots-Rave? Oder das Skandalvideo von Herthas Angreifer Salomon Kalou? Nun das. 

Dass neben den rund zwei Dutzend Fans, die zudem den Sicherheitsabstand einhielten, eine Einheit Polizei stand und die Beamten sich nicht genötigt fühlten, einzugreifen, wurde ignoriert. Dabei sind die Köpenicker Ordnungshüter nicht für Sentimentalitäten bekannt. So sorgten sie beispielsweise im Rahmen der Aufstiegsfeierlichkeiten Ende Mai vergangenen Jahres für die Strafverfolgung einiger Fans, die in Köpenicks Altstadt lustvoll mit Pyrotechnik hantiert hatten.  Mittlere vierstellige Beträge wurden als Strafmaß verhängt, was kurz vor dem Wochenende zu einer Sammlung der Ultraszene führte, in  der binnen Stunden 10.000 Euro zusammenkamen, um den Betroffenen beizustehen. 

Sei's drum. Es gab keinerlei Verletzung der Corona-Regeln, wie Robert Andrich verriet. „Wir haben uns auf die Bänke gestellt und über den Zaun geguckt. Da haben wir schon ein paar Leute gesehen. Das war natürlich überragend und in dieser Zeit sehr schön“, sagte der 25-Jährige und zeigte damit, dass den Profikickern die stimmungsvolle Begleitung ihrer Tätigkeit ebenso fehlt wie den Fans der Stadionbesuch als solcher.

Robert Andrich (l. - hier im Kopfballduell mit Schalkes Rabbi Matondo - erzielte gegen die Königsblauen sein erstes Bundesligator.
Foto: Michael Sohn/AP POOL/dpa

Ebenso überragend hätte Andrich es wohl auch gefunden, wenn sein erstes Bundesligator Union den Sieg beschert hätte.  Ein Treffer mit einem langen Anlauf. 48 Versuche hatte der gebürtige Potsdamer absolvieren müssen, ehe es endlich klappte. Auch auf dem Feld musste er dafür einen fast 70 Meter langen Sprint hinlegen. „Ich bin erst mal auf Verdacht losgerannt, habe dann den Raum erkannt. Ein Superball von Toni (Anthony Ujah, d. R.). Der erste Kontakt war gut, da habe ich den voll auf dem Linken gehabt und habe ihn dann reingehauen“, sagte der Torschütze.

Das Glück aber fehlte den Köpenickern am Ende, um gegen harmlose Schalker den Befreiungsschlag landen zu können. Dazu hätte Union vor allem in den ersten 30 Spielminuten mehr Kapital aus seinen durchaus ansehnlichen Bemühungen schlagen müssen. „Wenn wir das zweite Tor machen, gibt es einen anderen Spielverlauf. Das müssen wir uns vorwerfen. So war es bis zum Ende ein bisschen hektisch“, gab Trainer Urs Fischer hinterher zu.

Das Spiel wird dennoch eher als Fortschritt denn als Rückschlag empfunden längs der Wuhle. „Jeder Punkt hilft uns dem Ziel näherzukommen“, so Fischer. Andrich sah das ähnlich: „Wir haben es in der eigenen Hand, wir spielen gegen direkte Konkurrenten. Wenn du gegen die nicht gewinnst oder Punkte holst, dann hast du das auch nicht verdient.“ Beim nächsten Versuch in Köln darf er aber nicht mithelfen. Er hat sich gegen Schalke seine nächste Gelb-Sperre eingehandelt.