Claudio Pizarro muss in Quarantäne bleiben.
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BremenIn Zeiten von Corona scheidet bei Werder Bremen der sonst so wichtige Schulterschluss zwischen Publikum und Profis als Faktor aus. Sollten nur ein paar Hundert Anhänger auf die Idee kommen, sich zum Montagsspiel gegen Bayer Leverkusen (20.30 Uhr)  am Weserstadion zu versammeln, könnte das böse Folgen haben. Innensenator Ulrich Mäurer hat erneut gedroht, Geisterspiele hier grundsätzlich zu verbieten, würden diese „wegen der Fans zum Infektionsrisiko“ werden. Mäurer betrachtet den Start der Bundesliga ohnehin als „unsägliches Signal“. Der SPD-Politiker hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) seit dem Polizeikostenstreit zum Feindbild. 

Die Fehde bringt den wichtigsten Werbeträger der Hansestadt in die Zwickmühle: Die lokale Politik hat dem Bundesligateam mit als letztem wieder Training erlaubt. Die Werder-Bosse kämpfen gerade an ganz vielen Fronten. Aufsichtsratschef Marco Bode rügte vorigen Mittwoch die DFL für eine schlecht vorbereitete Beschlussvorlage, auch bei Saisonabbruch zwei Absteiger zu küren. Sein Trainer Florian Kohlfeldt verspricht ja weiterhin, zumindest die Relegation zu erreichen. Paderborn, Mainz und Köln sind auf der Zielgeraden drei der letzten vier Bremer Gegner.

Kohfeldt konnte sich am Sonntag dann auch einen Seitenhieb auf Berlins Coach Bruno Labbadia nicht verkneifen, der den Vollkontakt beim Torjubel seiner Spieler verteidigte, indem er sagte: „Emotionen gehören auch ein Stück dazu, sonst brauchen wir dieses Spiel auch nicht zu spielen.“ Kohfeldt entgegnet allerdings: "Wir sind eine der Mannschaften, die sich sehr akribisch an alles hält. Ich kann die Aussage von Bruno auch verstehen, aber andersrum bringt es jeden anderen Trainer wieder in Erklärungsnot. Da wurden Vorgaben missachtet, die relativ klar sind. Das ist dann immer wieder ein Problem im Umgang mit der Mannschaft.“

Die sportlichen Probleme – auch bedingt durch eine wenig glückliche Kaderzusammenstellung des Managers Frank Baumann – sind längst nicht die einzigen. Kein Standort scheint beim Re-Start fragiler aufgestellt zu sein. Nun machte auch der Verein keine gute Figur. Werder vermeldete am Dienstag den Ausfall von Claudio Pizarro, 41, wegen einer Muskelverletzung. Am Freitag kam heraus, dass Pizarros Tochter bei einem freiwilligen Abstrich positiv auf das Coronavirus getestet wurde, weshalb sich der Papa in 14-tägige Quarantäne begab. Er selbst wurde zweimal negativ getestet.

Der Verein bestätigte den Fall erst mit Verzögerung und nannte den Namen nicht. Baumann beruhigte: „Das Vorgehen zeigt, dass das medizinische Konzept greift.“ Immerhin kann der isolierte Altstar Pizarro die Partie nun ungestört zuhause am Fernseher verfolgen: Am Sonntag vermeldete die DFL, dass eine Live-Übertragung bei DAZN zustande gekommen sei. Weitere Gespräche mit Eurosport/Discovery als ursprünglichem Rechteinhaber für die restlichen 14 Begegnungen laufen. Duelle zwischen Bremen und Leverkusen besaßen zuletzt reichlich Unterhaltungswert. In der Vorsaison kassierte Werder gegen die Werkself im gefüllten Weserstadion eine 2:6-Abreibung. Baumanns Vergleich, sein Klub müsse sich für den Rest der Saison wie die „kleinen Gallier“ verhalten, könnte also durchaus passen. Nur wo gibt es den Zaubertrank, der am besten gleich noch gegen ein tückisches Virus immun macht?