Der Kolumbianer Miguel Angel Lopez triumphiert bei der Königsetappe. 
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BerlinAls Primoz Roglic auf dem Dach der Tour de France die Attacken auf das Gelbe Trikot abgewehrt hatte, spendete selbst Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron anerkennend Applaus. Im denkwürdigen Finale der spektakulären Königsetappe zum 2304 Meter hohen Alpen-Riesen Col de la Loze sorgte der große Favorit aus Slowenien für eine Vorentscheidung im Kampf um den Gesamtsieg – auch wenn er den Etappensieg Miguel Angel Lopez überlassen musste.

Das kolumbianische Kletter-Ass vom Teams Astana hatte auf der bis zu 24 Prozent steilen Rampe ins Ziel attackiert und eine Lücke auf Roglic und dessen slowenischen Landsmann Tadej Pogacar herausgefahren. Lopez siegte mit 15 Sekunden Vorsprung vor Roglic. Pogacar kam wiederum 15 Sekunden später ins Ziel.

Roglic beweist Stärke am Schlussanstieg

Roglic verfehlte zwar seinen zweiten Tageserfolg bei der Tour 2020, die Bewährungsprobe beim schwersten Anstieg dieser Frankreich-Rundfahrt bestand er dennoch. Der 30-Jährige vom Team Jumbo-Visma baute seinen Vorsprung in der Gesamtwertung auf Pogacar auf 57 Sekunden aus. Lopez (+ 1:26 Minuten) ist nun Dritter.

Am 21,5 km langen Schlussanstieg, der 1671 Höhenmeter aufwies, begann die entscheidende Phase rund 3,5 km vor dem Ziel. Auf dem steilsten Stück des Tages attackierte Lopez und setzte sich ab. Dann bewies Roglic Stärke. Staatspräsident Macron, der das Rennen in Begleitauto „1“ neben dem Tour-Boss Christian Prudhomme verfolgte, war beeindruckt.

Lennard Kämna, der am Dienstag für den ersten deutschen Etappensieg bei der Tour 2020 gesorgt hatte, nahm mit dem Bergtrikot ein neues Ziel in Angriff. „Ich bin in einer guten Position. Wenn es sich ergibt, werde ich es probieren“, sagte Kämna vor dem Start.

Angesichts des schweren Finales nutzte der 24 Jahre alte Bora-Profi erneut seine Chance in einer prominent besetzten Fluchtgruppe. Das Ziel: Am legendären Tour-Klassiker Col de la Madeleine die meisten Zähler für das Gepunktete Trikot sammeln. Das gelang nicht, Kämna verlor weit vor dem Gipfel den Anschluss.

Auch im Hauptfeld zog das Tempo an, schnell war die Gruppe der Favoriten und deren Helfer auf rund 30 Fahrer geschrumpft. An der Spitze arbeitete das Team Bahrain-McLaren. Roglics Jumbo-Equipe konnte sich noch schonen.

Einer, für den das Auf und Ab wie gemacht schien, fehlte: Der kolumbianische Titelverteidiger Egan Bernal war bereits am Morgen aus dem Rennen ausgestiegen. Wie seine Mannschaft Ineos Grenadiers mitteilte, habe man „in Egans bestem Interesse“ entschieden, Bernal aus der Frankreich-Rundfahrt zu nehmen.

Bernal, der mit Rückenproblemen in die Tour gegangen war, hatte am Sonntag bei der Bergankunft am Grand Colombier 7:20 Minuten auf Roglic verloren. 2021 will er einen neuen Angriff auf Gelb starten.

Die Alpentrilogie der 107. Tour de France findet am Donnerstag ihr Ende – und verlangt den müden Fahrern nochmals alles ab. Die 175 km lange 18. Etappe von Meribel nach La Roche-sur-Foron wird ein stetes Auf und Ab. Fünf gewertete Berge haben die Streckenplaner in den Kurs integriert, darunter die Montee du plateu des Glieres, ein Anstieg der höchsten Kategorie.