Die Fans des 1. FC Union haben allen Grund, stolz auf ihre Mannschaft zu sein.
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BerlinFür die meisten, mit der Physik ist das ja so eine Sache, ist die Relativitätstheorie ein Buch mit sieben Siegeln. Ich habe mir dafür, fernab von Genius Albert Einstein, meine eigene Theorie gebastelt. Und die geht so: Drei Haare auf dem Kopf – das ist wenig; drei Haare in der Suppe – das ist viel. Relativitätstheorie zum Sehen und zum Anfassen. Für alle zum Verstehen ohnehin.

Genauso ist es mit 20 Punkten nach 16 Spieltagen in der Fußball-Bundesliga. Für die einen wäre das wie mit den drei Haaren auf dem Kopf, nicht zum Aushalten, eher zum Rausreißen und Grund dafür, den Trainer zu feuern. Für andere jedoch ist das – vom Geschmack einmal abgesehen – wie mit den drei Haaren in der Suppe, eine durchaus satte Portion.

Zu den Letzteren, denke ich, sollte sich auch der 1. FC Union zugehörig fühlen.

Eine leichte Ernüchterung bei Anhänger von Union

Dabei, ja, es soll sie durchaus geben, diese Pferde, die vor der Apotheke das sprichwörtliche Kotzen bekommen haben. Auf die Bundesliga gemünzt heißt es, dass Mannschaften, obwohl lange alles im tiefgrünen Bereich liegt, bei der Abrechnung dann tatsächlich einen Bauchklatscher hinlegen. Es hat Teams gegeben, die sind nach den ersten 90 Minuten als Tabellenführer in die weitere Saison gegangen, um 33 Spieltage später abzusteigen. Der Karlsruher SC hat es vor 22 Spielzeiten so erlebt und Borussia Mönchengladbach hat es vor 21 Jahren derart erwischt.

Spitzenreiter? Absteiger? Das hat doch nichts mit dem 1. FC Union zu tun, oder?

Naja, nach dem 0:2 gegen die TSG Hoffenheim, nach dem Ende der stolzen und nie erwarteten Serie von vier Zu-Null-Heimsiegen in Folge und vor dem Abschlussspiel der ersten eisernen Bundesliga-Hinrunde am Sonntag bei Fortuna Düsseldorf ist so etwas wie leichte Ernüchterung eingezogen in der Alten Försterei, auch weil ein Totgesagter wie der 1. FC Köln plötzlich wieder lebt. Da kratzt so eine Niederlage, man kennt es inzwischen ja anders, schon mal ein klein wenig das rot-weiße Weltbild.

Dabei ist, außer dass die Eisernen ein Heimspiel verloren haben, allerdings schon das vierte, kein sonderliches Malheur geschehen. Es geht nur nicht mehr so steil nach oben wie zuletzt. Das ist, ganz menschlich, so etwas wie der Fluch der guten Tat. Zu schnell mag man sich an Dinge gewöhnen, die kürzlich nur im Traum existierten, nun aber zum Greifen nahe sind. Wie der sechste Heimsieg eben, den es dann doch nicht gegeben hat.

20 Punkte sind 20 Punkte

Was wäre anders gewesen, hätte es die Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach gegeben, dafür gegen Hoffenheim den Sieg? Nichts. 20 Punkte sind 20 Punkte. Na gut, der Trend würde nach oben zeigen, aber der ist schnelllebig und kehrt sich womöglich übermorgen schon um. Andererseits schärft das die Sinne.

Natürlich hat es bessere Aufsteiger gegeben zu diesem Saisonzeitpunkt als den 1. FC Union. Schlechtere aber ebenso, zumal deren Zahl höher ist als die der besseren. Also: 20 Punkte und ein ziemlich dickes Polster auf die Abstiegsränge sind es durchaus wert, als schnuckeliges Weihnachtspräsent durchzugehen, wobei Luft nach oben immer besteht. Andere, vor allem auch Bundesliga-Inventar Werder Bremen, wären froh, auch nur annähernd so dazustehen.

Deshalb, um bei meiner Relativitätstheorie zu bleiben und die auf den 1. FC Union zu stülpen: Für mich sind 20 Punkte wie drei Haare in der Suppe, nämlich viel.