Rune Jarstein muss sich zukünftig bei Hertha BSC wohl noch mehr strecken.
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BerlinRune Jarstein, der Norweger, glaubt fest daran, dass er mit 40 Jahren als Torwart noch erste Wahl sein kann. Die Nummer eins von Hertha BSC ist derzeit 35 Jahre alt und besitzt einen Vertrag bis 2021. Seine Leistungskurve in dieser Saison glich der des DAX an der Börse, mal rauf, mal runter. Als Kurz-Cheftrainer Jürgen Klinsmann   Torwarttrainer Zsolt Petry degradiert hatte, verlor Jarstein seinen Vertrauensmann und seine Form. Eine Rote Karte und zwei schwere Patzer brachten seinen Konkurrenten Thomas Kraft, 31, für vier Partien wieder ins Tor.

Manager Michael Preetz wird Veränderungen bei den Torhütern vornehmen. Er will einen Keeper haben, der dem 65-maligen norwegischen Nationaltorhüter Druck machen soll. Kraft wird das nicht mehr sein, dessen Vertrag läuft aus. Bleiben noch zwei klubeigene Talente. Dennis Smarsch, 21, im Moment die Nummer drei und Nils Körber. Der 23-Jährige ist noch bis zum Sommer an den VfL Osnabrück ausgeliehen, stieg dort in der Vorsaison zu einem der besten Keeper der Dritten Liga auf. Aber können beide Profis Jarstein tatsächlich Konkurrenz machen? Ich glaube eher nicht.

Hertha soll an Karius interessiert sein

Jetzt kursieren Gerüchte, dass Hertha an Torhüter Loris Karius interessiert ist. Sport 1 und der Kicker nannten es „mehr als einen heißen Flirt“. Karius besitzt hohe Medienpräsenz, auch weil er seit über einem Jahr mit der Schauspielerin und Moderatorin Sophia Thomalla liiert ist. Der 26-Jährige, 1,89 Meter groß, einst bei Mainz 05 im Kasten, ist vom FC Liverpool an Besiktas Istanbul ausgeliehen, wo er die Nummer eins ist. Besiktas aber wird eine Kaufoption nicht ziehen. In Liverpool besitzt er keine Chance, kommt am Brasilianer Alisson Becker nicht vorbei. Beim Klopp-Klub erlangte Karius traurige Berühmtheit, als ihm im Champions-League-Finale 2018 gegen Real Madrid (1:3) zwei schwere Patzer unterliefen. Als Karius nach dem Abpfiff minutenlang völlig einsam auf dem Rasen lag, empfand ich das schon als tragisch.

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Hertha-Kenner

Michael Jahn begleitet seit mehr als zwei Jahrzehnten den Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Immer mittwochs gibt er in dieser Kolumne seine Expertise zu der Mannschaft, dem Klub und seinem Umfeld ab.

Wer bei Hertha die Nummer eins werden will, muss sich an starken Vorgängern messen lassen. Sechs Torhüter haben mehr als 100 Erstligaspiele für die Berliner bestritten. Ganz oben thront der Ungar Gabor Kiraly (198) – für mich der Beste – vor Rune Jarstein (148) und Christian Fiedler (137). Auch Thomas Kraft (115) und aus den 70er-Jahren Volkmar Groß (101) und Norbert Nigbur (101) gehören zum exklusiven „Klub der Hunderter“.

Vorbild Silvio Heinevetter

Und Karius? Der ist zweifellos ein guter Keeper, der Hertha aber auch Unruhe bescheren könnte. Seine Freundin   bewegt sich ständig in den sozialen Netzwerken, besitzt 1,2 Millionen Follower bei Instagram. Fotos mit Karius, auch recht intime, waren oft zu sehen. Am Montag aber zeigte der Keeper eine andere Seite und rief dazu auf, seinen Jugendverein SSV Ulm in der Coronakrise zu unterstützen.

Loris Karius ist derzeit an Besiktas Istanbul ausgeliehen.
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Ich glaube, dass Karius, sollte er zu Hertha kommen, Profi genug ist, um Auftritte auf dem „roten Teppich“ zu minimieren. Ein Beispiel aus seinem unmittelbaren Umfeld macht Mut. Sophias Mutter, Schauspielerin Simone Thomalla, ist seit elf Jahren mit Handballkeeper Silvio Heinevetter von den Füchsen Berlin liiert. Beide verhielten sich in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend. Der Karriere Heinevetters hat die   Verbindung nicht geschadet. Er blieb auf den Sport fokussiert. Vielleicht hat sich Karius schon mit ihm ausgetauscht – von Keeper zu Keeper.