Jürgen Klinsmann ist mit seinen Emotionen der richtige Trainer für Hertha BSC.
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BerlinMit diesen Worten stimmte Jürgen Klinsmann seine Nationalspieler auf das Viertelfinale bei den Weltmeisterschaften 2006 gegen Argentinien ein: „Die haben Muffe, die haben Muffe vor Euch! Die machen sich in die Hosen! Es geht darum, aggressiv und konzentriert zuzubeißen. Die sind heute fällig! Absolut fällig! Geht raus und haut sie weg!“ Und Deutschland gewann im dramatischen Elfmeterschießen schließlich mit 4:2.

Ich habe mir in diesen Tagen, in denen Klinsmann oft im Fokus steht, diverse Kabinenansprachen von Klinsmann noch einmal angehört und angeschaut in den Sequenzen des Films „Deutschland, ein Sommermärchen“ von Sönke Wortmann. Ganz ehrlich: Ich bekam Gänsehaut und fühlte mich plötzlich stark.

Nun hat Jürgen Klinsmann, der neue Hertha-Trainer, viele Bewunderer, die sich vor allem für seine Motivationskünste begeistern. Aber es gibt auch zahlreiche Kritiker, die dem einstigen Klassestürmer ähnliche Fähigkeiten im technisch-taktischen Bereich absprechen und monieren, dass er stets einen riesigen Stab an Assistenten benötige, um Erfolg zu haben. Herthas Profis jedenfalls sollen angetan sein vom Optimismus und den Ansprachen des Trainers.

"Klinsmann ist ein starker Trainer"

Mich interessierte deshalb die Frage: Wie wichtig sind eigentlich emotionale Ansprachen eines Trainers vor einem Bundesligaduell? Brauchen gestandene Profis überhaupt aufrüttelnde Worte? Ich habe mit Thorben Marx, 38, gesprochen. Der ehemalige Mittelfeldmann spielte sechs Jahre in der Bundesliga für Hertha BSC und auch sechs Jahre für Borussia Mönchengladbach. Marx besitzt ein Alleinstellungsmerkmal. 2000/2001 war er der erste Spieler aus der Hertha-Jugend-Akademie, der den Sprung in die Profimannschaft schaffte. Darauf ist er durchaus stolz. Am Sonnabend kommt der gebürtige Berliner zum Duell Hertha kontra Borussia ins Olympiastadion. Er lebt mit seiner Familie noch immer in Mönchengladbach.

In Berlin treffen die Trainer Marco Rose und Jürgen Klinsmann zum ersten Mal aufeinander. Marx bezeichnet beide als „starke Trainer mit großer Ausstrahlung“. Marx’ Eindruck: „Klinsmann ist offen und positiv, echt cool!“ Marco Rose charakterisiert er als „leidenschaftlichen Typen, der bestens zur Borussia passt“.

Thorben Marx erlebte in der Bundesliga bei Hertha, in Gladbach und auch in Bielefeld insgesamt zehn Trainer. „Am emotionalsten waren Jürgen Röber, Ernst Middendorp bei der Arminia und auch Michael Frontzeck.“ Lucien Favre, sagt Marx, sei ein „Super-Trainer“, aber ihm fehle ein wenig das emotionale Moment. „Und das ist wichtig!“ Also doch! „Trainer sollten positiv sein in der Krise, aber auch glaubwürdig bleiben“, so Marx, „nur Lob darf keine Masche sein, es muss auch Kritik geben.“

Es braucht Emotionen in der Kabine

Für den ehemaligen Profi gehören emotionale Kabinenansprachen dringend dazu, um erfolgreich zu sein. „Gerade in schwierigen Situationen glauben viele Beobachter und Fans, dass wir Spieler das schon irgendwie meistern werden. Dann heißt es immer: Naja, die sind ja Profis!“ Aber ein optimistischer, emotionaler Trainer könne eine große Hilfe sein.

Was wird wohl Jürgen Klinsmann am Sonnabend vor dem Duell gegen Mönchengladbach in der Kabine sagen? Mein Vorschlag: „Die Borussen haben Muffe vor euch! Wir sind Berlin, wir sind Hertha. Geht raus und haut sie weg!“