Es findet sich nahezu niemand, der großartig Verständnis hätte für Zeitpunkt und Form des angekündigten Rücktritts von Theo Zwanziger. Das war der Tenor am Montag bei der Mitgliederversammlung der Bundesligisten in Frankfurt. Und das ist offenkundig auch die vorherrschende Meinung unter den Landesverbandsvertretern, die schon diesen Mittwoch damit beschäftigt sein werden, sich auf einen Nachfolgekandidaten zu einigen. Ligapräsident Reinhard Rauball, der sicher das Format für diese Aufgabe hätte, hat gestern abgesagt.

Der Mann ist clever: Zu viele Fallstricke verstecken sich selbst für einen ausgewiesenen Diplomaten wie ihn in dem Monstrum Deutscher Fußball-Bund. Da kümmert sich der Jurist lieber weiter um das einträgliche Milliardengeschäft Profifußball.

Fortdauernde Auswüchse

Ob Erwin Staudt, ein sicherlich ehrenwerter Mensch, die Persönlichkeit sein kann, die auf Theo Zwanziger folgt, wird in der Branche bezweifelt. Dazu hat der ehemalige Deutschland-Chef von IBM im Krisenmanagement beim VfB Stuttgart zu wenig Profil gezeigt. Dazu ist er zu oft abgetaucht. Als Meinungsführer ist der 63-Jährige in der Bundesliga auch nach acht Jahren an der Spitze der Schwaben nicht wahrgenommen worden.

Aber ganz egal, wer nun folgen wird auf Zwanziger, dessen Popularitätswerte im eigenen Haus spürbar gesunken sind: Es gibt Anlass zur Hoffnung. Hoffnung darauf, dass Manfred Amerell vielleicht alsbald Ruhe geben könnte. Der ehemalige Schiedsrichter-Funktionär dürfte Zwanzigers Rückzug am Wochenende freudig erregt zur Kenntnis genommen haben. Wenn der DFB-Präsident dann erst einmal nicht mehr da ist, fehlt Amerell sein wichtigstes Feindbild.

Reinhard Rauball bezeichnete die fortdauernden Auswüchse der Affäre gestern als „Thema, das uns stört“. Am Mittwoch folgt die nächste Störung: Amerell und Michael Kempter begegnen sich im Berufungsverfahren vorm Stuttgarter Oberlandesgericht. Es geht Amerell vordergründig um 150.000 Euro Schadenersatz. Vor allem aber geht es ihm darum, mit einem Sieg gegen Kempter auch Zwanziger neuerlich zu schädigen.

Das ist Amerell schon viel weitreichender gelungen, als er es verdient hätte.