Dietmar Hopp wurde am Wochenende mehrfach auf Fan-Transparenten beleidigt. 
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BerlinDie Menschen sollen sich bewegen und am besten sollen sie sich dabei begegnen. Und die allerbeweglichsten Begegnungsstätten im Südwestdeutschland, die hat nun mal die Stiftung von Dietmar Hopp errichten lassen.

Wo Rhein und Neckar fließen, sind in den vergangenen Jahren Spielplätze und Spaßlandschaften für Jung und Alt entstanden. Für Menschen, die „Ajoooh“ sagen, wenn sie einverstanden sind und „Allahopp“, wenn alles in Ordnung ist. Ist es aber nicht. In ganz Fußballdeutschland nicht.

Hopp, 79, Mitgründer des Softwareunternehmens SAP und Mäzen des Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim, steht im Fadenkreuz. Sein in den Bundesligastadien hochgehaltenes Konterfei ist das Symbol für den Kulturkampf der Ultras gegen den DFB, der glaubt, dass es besser ist zu bestrafen, statt miteinander zu reden. Das ist der Hintergrund für die Spielunterbrechungen am Wochenende in München und in der Alten Försterei.

Hopp fehlt das Verständnis

Nach allem, was man so hört, ist Hopp kein schlechter Mensch. Seine milliardenschwere Stiftung baut ja nicht nur Spielplätze, sie investiert auch in die Krebsforschung oder den Klimaschutz. Er hatte nie vor, seine Steuern im Ausland zu zahlen.

Im Südwesten ist Hopp der „Vadda“, also einer, der sich väterlich um seine Mitmenschen kümmert, Bittsteller wie ein Patron empfängt. Er ist aber eben auch jemand, der nicht versteht, warum sein Engagement das Gegenteil von Liebe hervorrufen kann; zumal im Fußball, wo der Hass als Fankulturtechnik gilt und wo ein schier schizophrenes Verhältnis zu Geld herrscht. „Wenn ich nur im Entferntesten wüsste, was diese Idioten von mir wollen“, sagte Hopp am Sonntag, „dann würde es mir alles leichter fallen, das zu verstehen.“

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Das Verhältnis stimmt nicht mehr

Einerseits – und in einer nach unten stets offenen Beleidigungsskala – sind Hopps „Idioten“ unwesentlich höher anzusiedeln als das idiotische „Hurensohn“ in den Fankurven. Andererseits ist es gar nicht so schwer, zu erklären, warum die Empörungswellen seit Tagen in die Timelines schwappen.

Es ist nämlich etwas durcheinandergeraten zuletzt und viele Fans fragen sich zu Recht, ob da die Maßstäbe überhaupt noch stimmen können. Warum etwa werden Schmähplakate mit Spielunterbrechung geahndet und von einigen Fußballamtsträgern sogar mit rechter Gewalt in Verbindung gebracht, während der Ball einfach weiterrollt, wenn es zu rassistischen oder homophoben Beleidigungen kommt?

Darüber sollte nicht nur Dietmar Hopp nachdenken. Und dann müssten sich alle etwas bewegen, um sich zu begegnen. Allahopp?