Youssoufa Moukoko, 15, könnte mit der neuen Regel bereits in diesem Jahr für Borussia Dortmund auflaufen.
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KölnDer Fußballspieler Youssoufa Moukoko ist zwar erst 15 Jahre alt, er hat noch nie für eine Profi-Mannschaft gespielt, aber seine Regungen in den Sozialen Netzwerken werden schon jetzt beobachtet, als habe sich ein berühmter Nationalspieler geäußert. „Ich bin bereit für das BESTE Jahr meines Lebens“, schrieb er seinen mehr als 400 000 Abonnenten an Silvester. „#2020wird der Hammer“, kündigte er an und erzeigte mit einem „Pssst“-Emoji geschickt den Eindruck, schon mehr zu wissen. Womöglich war das tatsächlich so. Denn nun wurde bekannt, dass die Altersgrenze für Spieler, die in der Bundesliga eingesetzt werden dürfen, herabgesenkt werden soll.

Dortmunds Moukoko wäre nach der alten Regel frühestens ab der Saison 2021/2022 in der Bundesliga spielberechtigt, künftig sollen die Nachwuchsleute aber schon ab ihrem 16. Geburtstag auflaufen können. Moukoko, der mit Abstand die Torschützenliste der A-Jugend-Bundesliga West anführt, dürfte ab dem 20. November bei den Profis eingesetzt werden, etwa acht Monate eher.

In ausländischen Ligen dürfen 16-Jährige spielen

Ab 16 dürfen die Talente auch in den anderen großen Ligen spielen, über die in den deutschen Nachwuchsleistungszentren oft mit verächtlichem Unterton gesprochen wird. Jugendspieler würden dort verheizt, heißt es, gerade in England werde zu wenig Wert auf die Entwicklung der Persönlichkeit und Ausbildung jenseits des Sports gelegt. Wer scheitert, hat oft keinen Schulabschluss, keine Ausbildung, während in Deutschland viel Wert auf pädagogische Konzepte und Befähigung für ein Berufsleben außerhalb des Fußballs geachtet wird. Und die Auswüchse mit Millionensummen für Kinder sind in Deutschland nicht ganz so extrem wie anderswo.

Der Vorsatz, junge Spieler zu schützen, ist vernünftig. Sportler, die sich sehr schnell entwickeln, aus der Profiwelt fernzuhalten, wirkt allerdings wie der Reflex einer Helikoptermutter. Die Teenager in den Nachwuchsabteilungen arbeiten sowieso wie Profis, in der Regel haben sie große Lust auf die Bundesliga. Bevor sie den Sprung geschafft haben, stehen sie oft sogar noch mehr unter Druck, weil sie im Jugendbereich die Besten sind, Erwartungen von Eltern und Beratern erfüllen müssen, der erste Profivertrag ist oft eine Erleichterung. Niemandem ist geholfen, wenn 16-Jährige, die gut genug für die Erste Liga sind, künstlich ausgeschlossen werden. Dass die Fußballöffentlichkeit durchdrehen würde, wenn Youssoufa Moukoko ab November mit Erling Haaland durch die Strafräume der Liga wirbelt, halten solche Jungs leichter aus als das ungewisse Warten auf den ersehnten Sprung nach oben.