In Frankreich und Griechenland stehen Wahlen an, und kurz vorher verkündet die EU-Kommission geschlossen einen Boykott der Fußball-EM. Was für ein Zufall!

Heuchler, heißt es jetzt in Leserkommentaren, und der Vorwurf ist berechtigt.

Aber Vorsicht - wer daraus schließt, dass ein Boykott falsch ist, macht einen Fehler, weil er das Motiv mit der Wirkung verwechselt.  Wenn beispielsweise Angelina Jolie sich aus Imagegründen für den Tierschutz einsetzt, heißt das ja nicht, dass Tierschutz schlecht ist.

Ein schöner Kompromiss

Gleiches gilt für die EM in der Ukraine. Dort ist es nötig, etwas zu tun, weil eine Sportveranstaltung der gastgebenden Regierung immer die Möglichkeit gibt, sich aufzuwerten. Machen wir uns nichts vor: So war das in Nazi-Deutschland, so war es  bei der Fußball-WM in Argentinien zu Zeiten der Militärdiktatur, so war es bei der pompösen letzten Olympiade in China.

Und nun soll wieder eine Regierung profitieren, die politische Gegner einsperren lässt, wie wir berichteten? Nein, danke.

Ein Politiker-Boykott ist da ein schöner Kompromiss: Einerseits stellt er die Veranstaltung nicht als solche in Frage und verdirbt Fußballfans und Ukrainern nicht den Spaß.

Gleichzeitig aber streut er dem Regime Salz die Propaganda-Suppe, weil die Fernseh-Kommentatoren zwischen den Spielen darauf hinweisen werden, wieso die Bänke von Barroso & Co. leer sind.

Das Fernbleiben gibt auch das Thema für Hintergrundberichte vor: Es wird nicht um das Erblühen eines pseudodemokratischen Landes gehen, sondern um das Leiden der eingesperrten Oppositionsführerin  Julia Timoschenko.

Die Regierung braucht Nachhilfe von der Straße

Zurecht geht von dem Boykott das Signal aus, dass die Ukraine auf diesem Weg keine Chance hat, in die EU zu kommen. Einige wird das feindselig stimmen, aber es wird auch solche geben, die merken, dass ihre Regierung etwas Nachhilfe von der Straße braucht, um wieder den richtigen Weg zu finden.

Die Lehre aus dem arabischen Frühling: Gegen Diktaturen und autoritäre Regierungen hilft kein Kuschelkurs, sondern der ausgestreckte Mittelfinger. Das findet wohl auch die deutsche Bevölkerung: Laut ARD-Deutschlandtrend sind rund drei Viertel der Deutschen dagegen, dass die Bundeskanzlerin und ihre Minister zur EM fahren.

Wenn Merkel  tatsächlich Zuhause bleibt, wie sie drohte dann mag das populistisch sein, aber es ändert nichts daran, dass das Fernbleiben gut ist.

Wenn sie dann mal wieder in einen dieser aufstrebenden Staaten reist, in denen es Öl gibt aber keine Menschenrechte, dann sollten wir sie an unsern Willen erinnern.