Als am Montagnachmittag Hertha BSC vermeldete, dass mit Fabian Lustenberger, 30, der dienstälteste Profi der Berliner im Sommer den Verein nach zwölf Jahren verlassen wird, war ich im ersten Moment traurig. Denn der meist gut gelaunte Lockenkopf verkörpert ein langes und wichtiges Stück Vereinsgeschichte. Mit dem vielseitigen Profi, der im Sommer 2007 als 19-Jähriger vom FC Luzern zur Hertha kam, verbinden sich Erinnerungen an große Spiele, an zahlreiche Siege und auch an viele bittere Niederlagen.

Im vergangenen Jahr traf ich mich zweimal mit Lusti, wie er bei Hertha BSC von allen gerufen wird. Im Juli begleitete ich ihn ins Helios-Klinikum nach Berlin-Buch, wo er einen krebskranken Jungen besuchte. Im Verein „Kolibri“, der sich um solch schwer erkrankte Kinder kümmert, hatte sich Lustenberger schon länger engagiert. „Eine Herzensangelegenheit“, sagte er bescheiden.

Im November plauderten wir entspannt bei einem Interview, als er vor seinem 200. Bundesligaspiel für Hertha stand. Als er vor zwölf Jahren nach Berlin kam, sei das ein „Kulturschock“ gewesen, verriet er. Bis dato hatte er bei seinen Eltern gewohnt in einem 2 000-Seelen-Dorf. Nun bekam er seine erste eigene Wohnung, musste seinen ersten eigenen Haushalt managen.

Lustenberger hat sich in Berlin immer sehr wohlgefühlt. Er lernte hier seine Frau kennen, mit der er inzwischen drei Kinder hat. Er fand zahlreiche Freunde. Zweimal ist er mit Hertha abgestiegen und zweimal wieder nach oben geklettert. Er war Kapitän unter Trainer Jos Luhukay und musste unter Pal Dardai das Amt an Vedad Ibisevic abtreten. Gefallen hat ihm das nicht, aber er hat die Antwort nur mit guten Leistungen auf dem Platz gegeben. Lustenberger erlebte bei Hertha acht Trainer.

Im Sommer wird er zurück in seine Heimat gehen, wo seine Familie schon in der Nähe von Luzern lebt. Beim Schweizer Meister Young Boys Bern bekommt er einen Vertrag bis 2022. Dort wird er sich garantiert schnell heimisch fühlen. Trainer Gerardo Seoane stammt wie er aus Luzern. Co-Trainer ist Harald Gämperle („Dirty Harry“), der schon unter Lucien Favre bei Hertha als „gnadenloser“ Assistent galt. Und mit Landsmann Steve von Bergen steht Lustenbergers sehr guter Freund in der Abwehr von Bern, mit dem er schon gemeinsam bei Hertha verteidigte.

Noch fünfzehnmal könnte Lustenberger bei Hertha in der Liga zum Einsatz kommen. Er wird stets alles geben, ganz sicher. Schon jetzt ein herzliches „Danke, Lusti“!