Wie es sein kann, dass sich ein Spieler mit einer derart prächtigen Veranlagung in der Winterpause für einen Wechsel vom FC Bayern zu Hertha BSC entscheidet? Nun, da ist natürlich die Konkurrenzsituation in München, die ? da mag er noch so viel Talent haben ? für einen 18-Jährigen schon mal zu einer großen Ernüchterung führen kann. Die einen wie Sinan Kurt, von dem hier die Rede ist, zu der Überzeugung bringt, dass seine Karriere wohl eher an einem anderen Ort in Schwung gebracht werden kann. Aber nicht in Hamburg, Leverkusen, Gelsenkirchen oder sonst wo, sondern, na klar, in Berlin.

Diese neue Selbstverständlichkeit zeigt, dass sich vieles bei Hertha BSC zum Positiven gewendet hat. Dass Berlin von den Profis nicht mehr zuvorderst als Ziel für einen Wochenendtrip mit der Liebsten, sondern als attraktiver Fußballstandort wahrgenommen wird. Wobei das eine (Tabellenplatz drei) natürlich ganz viel mit den anderen Faktoren (entspannte Finanzsituation dank Investor, überzeugender Trainer und überlegt agierender Manager) zu tun hat.

Sogar Preetz hat einen Plan

Endlich gibt es dank des 60-Millionen-Euro-Invests von Kohlberg Kravis Roberts & Co. L.P. kurz KKR, in der Hauptstadt mehr als nur ein bisschen Geld, um sich ein paar kleine Personalträume zu erfüllen. Dazu endlich auch einen Trainer, der a) dank seines tadellosen Charakters und dank seiner geradlinigen Methodik allemal zur Identifikationsfigur taugt und b) potenziellen Zugängen das Gefühl gibt, dass hier etwas Großes entstehen kann. Und endlich scheint auch Michael Preetz einen konkreten Plan für die Zukunft entwickelt zu haben.

Offensichtlich hat der zuvor mitunter aus gutem Grund scharf kritisierte Manager aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, was sich an der mittlerweile doch ziemlich hohen Trefferquote bei Neuverpflichtungen ablesen lässt. Dazu geht er plötzlich mit einer ungeahnten Kreativität zu Werke. Sinan Kurt, der einen Vertrag bis 2019 unterschrieben hat, war jedenfalls dem Vernehmen nach nur unter einer Bedingung zu haben. Nämlich auf Wunsch des FC Bayern mit einer Rückkaufklausel, die frühestens zur Saison 2017/2018 wirksam werden und Hertha BSC acht Millionen Euro bringen könnte. „Do ut des“, heißt es im Lateinischen, „Ich gebe, damit du gibst.“ Echt dufte.