Wenn das tatsächlich alles ist, was Joachim Löw und Oliver Bierhoff in ihrer Analyse erarbeitet haben, dann ist das für den Nationalmannschaftsfußball mit Sicherheit zu wenig, um schon in naher Zukunft wieder konkurrenzfähig zu sein. Dann stellt sich die Frage, ob der Bundestrainer und der Nationalmannschaftsdirektor in ihrer Funktion als Manager der eigenen Krise nicht total überfordert sind.

Zwei Monate nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der WM in Russland verloren sich die beiden Macher der DFB-Auswahl jedenfalls in einem enttäuschenden Blabla. Der eine, Löw, erst einmal weitgehend im Fachlichen, der andere, Bierhoff, schließlich im oberflächlichen Stammtischgerede. Löw wartete immerhin mit einer kurzen Selbstanklage in Sachen Spielstil auf („Es war fast schon arrogant. Ich wollte das auf die Spitze treiben und es noch mehr perfektionieren“), um im Nachgang der Özil-Gündogan-Erdogan-Affäre zu bekennen, dass man das Thema „absolut unterschätzt“ habe.

Bierhoff hingegen zielte zuvorderst auf die Profis, denen die richtige Einstellung gefehlt habe. Was man halt so sagt, wenn man sich vielleicht dann doch zu wenig Gedanken über sein eigenes Wirken und Nichtwirken macht.

Schneiders Versetzung

Dazu noch ein paar unbedeutende personelle Konsequenzen, wie die Versetzung von Thomas Schneider, der künftig nicht mehr als Assistenztrainer, sondern als Leiter der Scouting-Abteilung beim DFB aktiv werden soll. Noch ein paar Versprechen für die anstehenden Aufgaben, samt der Nominierung von Thilo Kehrer, Nico Schulz und Kai Havertz für die anstehenden Länderspiele gegen Frankreich und Peru. Das war’s. Nicht zu glauben, dass Löw und Bierhoff wohl davon ausgehen, mit diesen lapidaren Ausführungen Antwort auf all die dringlichen Fragen gegeben zu haben.

Im Endeffekt ist es ein „Weiter so“ mit einer paar kleinen Korrekturen.  Ein „Weiter so“, mit dem Löw sein eigenes Versprechen konterkariert, wonach es im Zuge der WM-Blamage doch radikale Veränderungen geben sollte. Ist er also  tatsächlich der Richtige, um einen Neuanfang zu moderieren? Nach seinem Auftritt in der Münchner Arena gibt es dahingehend mehr Zweifel denn je.