Investor Lars Windhorst gilt als enger Vertrauter vpn Jürgen Klinsmann.  
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BerlinEs ist eine Personalie mit Symbolkraft. Nicht einmal 24 Stunden nach dem Rücktritt von Jürgen Klinsmann hat Manager Michael Preetz eine Entscheidung rückgängig gemacht, die der flüchtige Cheftrainer bei seinem Amtsantritt Ende November veranlasst hatte. Damals wurde der fachlich geachtete Torwartcoach Zsolt Petry, 53, degradiert. Das hatte einen Beigeschmack: Petry hatte Keeper Jonathan Klinsmann kritisiert, den Sohn des Trainers, als dieser bei Hertha die erste Profistation absolvierte. Nun ist Petry wieder im Amt bei den Profis

Wird bei Hertha BSC die Zeit zurückgedreht in die Vor-Klinsmann-Periode? Wird der Traum vom Aufstieg in die oberen Tabellenregionen samt Teilnahme am Europacup weiter konsequent verfolgt? Immerhin wurden in vier namhafte Profis 77 Millionen Euro investiert. Wie geht die Mannschaft mit der Situation um? Kann sie sich aus der Abstiegszone befreien? Preetz muss entscheiden, ob Klinsmanns Assistent Alexander Nouri, 40, bis zum Saisonende bleibt. Oder ob ein Interimscoach übernimmt. Oder ob jemand kommt, der den von Investor Lars Windhorst formulierten gehobenen Ansprüchen mittelfristig gerecht wird. Das ist die sportliche Seite.

Windhorst bekennt sich zu Hertha BSC

Die andere Seite betrifft das Management. An diesem Donnerstag wollen sich Lars Windhorst, Michael Preetz und Hertha-Präsident Werner Gegenbauer erklären, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. Das klingt nicht nach atmosphärischen Störungen. Es heißt, dass Windhorst weiter voll zur Partnerschaft mit Hertha BSC steht. Doch wie wird sich der Unternehmer in Sachen Klinsmann positionieren? Der galt bisher als sein Vertrauter. Und Klinsmann gab bei seinem Abschied ja vor, im Aufsichtsrat bleiben zu wollen, der allerdings keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft hat und nicht über Transfers oder die Geschäftsführung entscheidet.

Dass Klinsmann in dem Gremium bleibt, ist nach seinen Vorwürfen Richtung Klubführung schwer vorstellbar. Der Coach wollte allein das sportliche Sagen bekommen – auch bei allen Transfers. Damit wäre Preetz eines Großteils seiner Kompetenzen beraubt worden.

Spannend bleibt die Frage, wie sich einzelne Mitglieder des Präsidiums künftig verhalten. Am 24. Mai stehen auf der Mitgliederversammlung Präsidentschaftswahlen an, nur eine Woche nach dem Ende der Saison. Gegenbauer ist immerhin seit 2008 im Amt. Alle Entwicklungen – strategische wie personelle – werden davon abhängen, ob Hertha dann noch in der Ersten Bundesliga spielt.