Oberhof kann Biathlon, aber kann es auch Olympia?
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BerlinDer Mauerfall war noch nicht lange her, da hegte man im Harz große Pläne. Olympia sollte kommen, die Winterspiele wohlgemerkt, und zwar nach Schierke. Das war nicht ganz so weit hergeholt, wie es klang, schließlich hatte sich die Gemeinde schon für die Spiele 1936 beworben, war aber an Garmisch-Partenkirchen gescheitert. Kurdirektor und Bürgermeister propagierten jedenfalls eifrig eine Bewerbung für 2006, in die sie auch Thüringen und Bayern einbinden wollten. Das Projekt zerstob dann aber ziemlich schnell im meist nicht vorhandenen Pulverschnee, nachdem schon Berlin seine ebenso glücklose wie dilettantische Kandidatur für die Sommerspiele 2000 in den märkischen Sand gesetzt hatte.

Entfernt erinnert die PR-Aktion, mit der eine seltsamen Ideen zugeneigte Thüringer Bank derzeit hausieren geht, an den Schierker Olympiabürgerstreich. Winterspiele 2030 nach Oberhof, Erfurt und Oberwiesenthal, assistiert von Bayern und Sachsen, lautet die Devise des Kreditinstituts, welches jüngst schon Stefan Effenberg einstellte, um große Fußballklubs anzulocken. Dass eine sehr viel ernsthaftere Initiative unter Führung von Ministerpräsident Armin Laschet und dem Sportvermarkter Michael Mronz schon seit einigen Jahren emsig die Bewerbung Nordrhein-Westfalens für die Sommerspiele 2032 vorantreibt, ficht die wackeren Schmalkaldener Olympioniken natürlich nicht an.

Herausforderung Doppel-WM 2023

Die Begeisterung für die Idee aus Thüringen hält sich bislang in Grenzen, nur in Oberhof fühlt man sich geschmeichelt. Dort hat man zwar erst mal alle Hände voll zu tun, die ambitionierte Doppel-Weltmeisterschaft im Biathlon und Rodeln im Jahr 2023 unfallfrei über die Bühne zu bringen, ist aber für kühnere Projekte stets aufgeschlossen. Und die wintersportaffinen Bewohner des Bundeslandes wären vermutlich gar geeignet, die mittlerweile übliche Diskrepanz zwischen galoppierender Olympiasucht von Politikern, Funktionären und interessierten Geschäftsleuten sowie fortgeschrittener Olympiascheu der restlichen Bevölkerung aufzubrechen.

Diese Hürde glaubt Nordrhein-Westfalen mit seiner Verteilung auf 14 Gemeinden und einem realisierbar erscheinenden Konzept überwinden zu können, allerdings ist es nach Paris 2024 und Los Angeles 2028 äußerst unwahrscheinlich, dass die Sommerspiele gleich wieder nach Europa gehen. Ausrichter von Winterspielen hingegen sind inzwischen so selten wie Grizzlybären im Thüringer Wald, was dann doch für Oberhof sprechen könnte. Oder für Schierke, wenn es denn noch einmal aus seinem olympischen Winterschlaf erwacht.