Überrascht. Fassungslos. Schockiert. Die Reaktionen aus der deutschen Ringergemeinde auf die Absicht des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), ihrem Sport das Prädikat „olympisch“ zu nehmen, sind durchaus nachvollziehbar, sie zeugen aber auch von einer geradezu kindlichen Naivität. Eigentlich müssten die Mattenkämpfer ja mitbekommen haben, wie das IOC so tickt. Eben nicht anders als ihre Unterorganisationen, wie der Fußball-Weltverband (Fifa) beispielsweise, dessen Entscheidungsträger Korruption als so selbstverständlich erachten wie Tee oder Kaffee zum Frühstück. Und auch nicht anders als der Radsport-Weltverband, der flächendeckendes Doping offensichtlich nicht nur geduldet, sondern gefördert hat.

Tradition hin oder her, ob klassisch oder nicht, was auch bei einer derart weitreichenden Entscheidung wie über den Olympiastatus eines Sports den Ausschlag gibt, ist die Vorarbeit der Lobbyisten und die zugesicherten Vergünstigungen beziehungsweise der in Aussicht gestellte Profit. Insofern ist die Handlungsweise des IOC nicht als absurd, sondern nur als konsequent zu werten.

Was kümmert es die Herren schon, dass sie damit einer klassischen Sportart den Garaus machen. Dass sie jungen Athleten die Motivation fürs ewige Schinden rauben, älteren hingegen Anlass zum sofortigen Karriereende geben. Wenn es um die Marke Olympia und das damit eng verbundene persönliche Wohlbefinden geht, ist alles egal. Dann werden Traditionsbewusstsein und Verantwortungsgefühl eher als hinderliche, denn als beachtenswerte menschliche Regungen gewertet.

Erschreckend und gewissermaßen auch entlarvend ist in diesem Zusammenhang auch die ausbleibende Solidarität der ebenfalls vom Ausschluss bedrohten Sportarten. So dachte Klaus Schormann nicht eine Sekunde an die Ausgegrenzten, sondern nur an sich. Wie ein Sonnenstrahl sei der Brief des IOC-Präsidenten Jacques Rogge gewesen, faselte der Weltverbandspräsident der Modernen Fünfkämpfer, und versprach in seinem Überschwang, dass die verschonten Fünfkämpfer gedenken, weitere Meilensteine zu setzen. Stellt sich die Frage, wo, in der Arena oder im Hinterzimmer?