Als der Aufsichtsrat des VfB Stuttgart im vergangenen Sommer den ehemaligen Porsche-Manager Gerd Ernst Mäuser gegen eine starke Opposition zum neuen Präsidenten boxte, sprachen die Gewinner von einer „Weichenstellung für die Zukunft.  Doch nach einem dreiviertel Jahr Amtszeit hat der 54-Jährige Nachfolger des harmoniebedürftigen und einfühlsamen Erwin Staudt eindrucksvoll bewiesen: Er ist seinem Job als oberster Repräsentant des Traditionsvereins nicht  gewachsen.

Unsensible Auftritte

Dass der ehemalige Marketingmann beim Autobauer  bisweilen zu unsensiblen Auftritten in der internen und externen Kommunikation neigt, sorgt  im Umfeld des Vereins nicht erst seit dieser Woche für Diskussionsstoff, konnte ihm aber noch mühevoll nachgesehen werden. Sein  misslungener Auftritt auf Stammtischniveau bei einer Veranstaltung an der Medienhochschule  Bad Canstatt am Mittwochabend hat das Klima jedoch nun womöglich irreparabel vergiftet. Vor rund hundert Studenten und Gästen vergriff sich Mäuser in einer Fragestunde in Stil, Ton und Wortwahl, als er die bislang nicht als überdurchschnittlich aggressiv bekannt gewordenen ständigen journalistischen Begleiter des VfB pauschal als „Schmierfinken“  bezeichnete, die schlecht recherchierten, keine Ahnung hätten und trotzdem „irgendeinen Scheiß schreiben“.  Regelmäßige mediale Erwähnung des Klubs sei nicht wichtig, ergänzte er auf Nachfragte kühn, es sei ihm oft gar lieber, wenn der Klub gar nicht in der Berichterstattung auftauche.

Zuhörer und Organisatoren irritiert

Offenbar hat Mäuser nicht ansatzweise kapiert, wofür ihn sein Arbeitgeber VfB Stuttgart reichlich entlohnt. Die Zuhörer und Organisatoren ließ er angesichts so  viel Arroganz, Dünnhäutigkeit und  und Unprofessionalität  irritiert zurück. Und auch die  Chance,  sich nach seiner legendär misslungenen Vorstellung noch im persönlichen Gespräch zu erklären, versiebte er kläglich, als er die Einladung zum gemeinsamen Büffet  mit der Begründung ablehnte, er wolle sich lieber das Champions League-Spiel zwischen Mailand und Barcelona im Fernsehen anschauen.  Für gemütliche Abende  auf der Couch  könnte er  in Zukunft noch viel mehr Zeit haben.