Berlin - Was ist eigentlich schlimmer? Dieser Abstieg in der Relegation, also in der Nachspielzeit dieser seit Januar 2012 für Hertha BSC so desaströs und frustrierend verlaufenen Saison oder wäre es genauso heftig gewesen, schon am 33. Spieltag beim ungeliebten Erzrivalen FC Schalke 04 abzusteigen? Oder aber – noch ein Szenario, welches lange möglich gewesen ist – am letzten Spieltag ausgerechnet gegen Trainer  Markus Babbel und dessen neuen Klub Hoffenheim die Abstiegstränen vergießen zu müssen?

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Auf der nach oben offenen Schmerzskala für Profis, Funktionäre und Fans von Hertha BSC ist das exakt nicht mehr nachvollziehbar. Und es ist letztendlich auch völlig egal. Hertha BSC, das ist der bittere Fakt, ist zum sechsten Mal seit Gründung der Bundesliga 1963 abgestiegen – zum zweiten Mal binnen der letzten beiden Jahre und zum zweiten Mal in der Ära Werner Gegenbauer (Präsident) und Michael Preetz (Manager).

Bei der nun einsetzenden Fahndung nach den Schuldigen für das Debakel, das sich über viele Wochen andeutete und das niemand – weder ständig neue Cheftrainer noch der Manager -aufhalten konnten, scheiden einige Personen aus, die immer gern als Verantwortliche ausgemacht werden.

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Dieter Hoeneß etwa, der ehemalige Manager, der dem Verein ein finanziell sehr schweres Erbe hinterließ und deshalb Preetz das Leben bei Transfers sehr schwer gemacht hatte, trifft keine Schuld. Als Feindbild taugt er längst nicht mehr. Auch Klaus Wowereit, der Regierende Bürgermeister mit der Vereinsmitgliedsnummer 50, trägt keine Schuld. Den kann man zwar, wenn man denn unbedingt will, mit haftbar machen für die geplatzte Neueröffnung des Großflughafens Schönfeld, aber nicht für den Abstieg des Großklubs Hertha BSC mit dessen 30.000 Mitgliedern. Immer wenn es sein Zeitplan zuließ, besuchte Wowereit die Heimspiele mit einem blau-weißen Schal um den Hals. Einst befürwortete er die Stundung der Stadionmiete für Hertha.

Auch die großartigen Fans des Vereins trifft keinerlei Mitschuld. Sie strömten ins Olympiastadion – im Schnitt kamen 53 331 Zuschauer  zu den Heimspielen, die dennoch meist verloren wurden, und zeigten unendliche Geduld sowie Leidensfähigkeit.

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Die Hauptschuld am Niedergang haben diejenigen, die die Geschäfte führen. Michael Preetz, der natürlich unter der Situation litt wie ein geprügelter Hund, hat drei Cheftrainer verschlissen und auf Beratung von außen (ehemalige Profis, Mentaltrainer oder Kommunikations-Experten) verzichtet. Neue Wege bei der Krisenbewältigung sind vom Management und auch vom Präsidium um Werner Gegenbauer nicht eingeschlagen worden. Mannschaft, Trainer und Manager verschanzten sich stattdessen wochenlang in einer Wagenburg, schotteten sich von Fans und Medien ab. Das war eine untaugliche Entscheidung. Egal, wer künftig bei Hertha BSC in der Verantwortung stehen wird –die jetzigen Protagonisten oder auch andere Persönlichkeiten – sie müssen neue, innovative Wege suchen, sich externe Berater ins Haus holen, um Hertha endlich als feste Größe in der Bundesliga zu positionieren. Der bittere Abstieg bietet dazu die beste Gelegenheit.