Die Menschen in München, Garmisch-Partenkirchen sowie den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land lehnen mehrheitlich eine ohnehin recht ferne Vision ab. Fern, da diese Spiele erst in gut acht Jahren stattfinden werden. Und auch, weil sich München wie bei der krachend gescheiterten Bewerbung um die Winterspiele 2018 erneut nicht als Favorit hätte betrachten dürfen.

Die Olympia-Gegner mussten also gar nicht erst auf das Ende des eigentlichen Wahlkampfes am 31. Juli 2015 warten, um zu jubeln. Dann befindet die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) über die Vergabe. Die Lobbyisten im IOC sympathisieren offen mit Oslo, die Hauptstadt der reichen Wintersportnation Norwegen. Ob eine auf halb Bayern ausgedehnte Bewerbung auf Zustimmung im IOC gestoßen wäre, darf zudem als sehr fraglich gelten.

Es ist eine konsequente Entscheidung der Vernunft, die die Bayern getroffen haben. Denn viele Versprechen, mit denen für eine Bewerbung getrommelt worden war, haben sie zurecht als zu vage eingeschätzt. Das galt nicht allein für das kalkulierte Olympia-Budget von 3,3 Milliarden Euro, sondern auch für den Nutzen der Muskelmesse für die Region und das ganze Land.

Fauler Vergleich

Wirklich profitiert hätten wohl nur einige wenige, die Risiken getragen hätten aber alle. Dass von den Winterspielen eine ähnliche Strahlkraft ausgehen würde wie von den historisch ganz anders aufgeladenen Sommerspielen 1972 in München oder der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, war eh eine realitätsferne Träumerei. Der von den Machern angestrengte Vergleich zwischen Fußball und Wintersport kam – Jahreszeit und gesellschaftlicher Größenordnung beider Phänomene folgend – dem zwischen Kürbissen und Walnüssen gleich.

Zugleich ist die Entscheidung eine vergebene Chance. München hätte bei einem Zuschlag zeigen können, dass Olympia auch anders geht als 2014 in Sotschi oder 2018 in Pyeongchang. Nach Retortenevents voller Gigantismus und Naturzerstörung, die in Russland bevorstehen und in Südkorea zu befürchten sind, hätte München mit Nachhaltigkeit, Tradition und Fürsorge die olympische Idee in Erinnerung rufen und einen Gegenentwurf vorführen können, wie man das Spektakel zeitgemäß und verantwortungsvoll zugleich inszeniert.

Doch dafür ließen sich die Menschen nicht mobilisieren. Sie haben im Stillen nicht gegen Olympia, sondern gegen die gierigen Herren der Ringe mit ihren egozentrischen Verträgen votiert. Diese Botschaft hat hoffentlich Strahlkraft.