Es hat gebrannt in den deutschen Stadien. Und es wird immer wieder brennen. Pyrotechnik gehört  zur aktiven Fußballfankultur wie Blockfahne oder Bratwurst. Ob man will oder nicht. Das Verbot von bengalischen Fackeln ist so effektiv wie das Verbot von Cannabis. Doch wo sich auf der einen Seite die Überzeugung durchsetzt, dass Legalisierung mehr Lösungen bieten als Probleme bereiten könnte, ist auf der anderen Seite gar keine Bewegung in Sicht.

Es gibt zwar  einzelne Vorstöße, die Kriminalisierung von Pyrotechnik zu überdenken. Zuletzt in Bremen, wo auf Vorschlag der Linken der Einsatz von sogenannter kalter Pyrotechnik geprüft worden war. Die wird etwa in Dänemark abgefackelt, hat bereits vor einem Jahr ein Prüfzeichen von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung bekommen und ist  damit zugelassen. Trotzdem: abgelehnt, weil zu gefährlich. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer von der SPD bleibt bei seiner Meinung: „Pyrotechnik im Stadion zu erlauben, wäre eine Kapitulation vor dieser Form der Gewalt.“

Es wäre ein Zeichen der Annäherung

Von der Politik ist anscheinend nicht immer zu erwarten, dass sie differenziert zwischen zündelnden und zuschlagenden Ultras. Deshalb müssen die Vereine selbst erkennen, dass es an ihnen liegt, den Kulturkampf in der Kurve  zu befrieden. Die Legalisierung von Pyrotechnik ist das lang erhoffte Zeichen der Annäherung. Der Groll in der aktiven Fanszene ist groß, seit DFB und DFL vor sieben Jahren zaghafte Annäherungsversuche einfach so beendeten.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht sollten die Vereine daran interessiert sein, die illegalen in legale Pyrofreunde zu verwandeln. In der vergangenen Saison haben alle Bundesligisten zusammen 1,33 Millionen Euro Strafe bezahlt – den Großteil wegen Bengalos oder Rauchtöpfen. Im Musterland Dänemark ließ Bröndby IF die Experimente mit kalter Pyrotechnik zu, weil der Klub die Strafzahlungen verhindern wollte. Natürlich ist Feuer im Stadion gefährlich, doch die Gefahr könnte  gesenkt werden, wenn es einheitliche Regeln geben würde. Gesonderte Pyrozonen sind da nur ein Vorschlag.

Es ist  eine Doppelmoral, die das Thema überhaupt so heiß macht.  Wenn alles so schlimm ist: Warum verzichten Verbände nicht auf Feuerwerke im Stadion? Warum posieren Fußballer mit Fackeln in Werbespots? Warum können sich Medien für leuchtende Choreos begeistern, und bei der nächsten Gelegenheit sind doch wieder Chaoten und Idioten am Teufelswerk?

Daher: Gebt das Feuer frei, kontrolliert. Bei Cannabis geht es auch.