In der beliebten Sendereihe „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ heute: Clemens Tönnies. Oder - ein Kernkraftwerk für Rheda-Wiedenbrück.

Schön, dass man das jetzt ungestraft sagen darf, wenn man denn wollte, was an dieser Stelle ausdrücklich ausgeschlossen wird. Dass man also behaupten darf, dass Clemens Tönnies, 63, ein alter weißer Mann aus Westfalen ist. Und dass die Westfalen mal lieber Bäume für Kernkraftwerke abholzen sollten anstatt für Weiden und für die Rinder darauf, denn Rinder pupsen CO2 in die Luft. Genauso wie Kinder, von denen die Westfalen ja auch nicht gerade wenige produziert, 2018 zehn Prozent mehr als im Vorjahr, um genau zu sein. Zwar nicht in Rheda-Wiedenbrück, wo Tönnies herkommt und Rinder und anderes Getier zu Wurst verarbeiten lässt, sondern im Kreis Coesfeld, aber das ist ja auch irgendwo da unten bei den Westfalen, den alten weißen.

Der Fall Tönnies: Kein Rassismus, nur Diskriminierung

Die Freigabe solcher Meinungsäußerungen ergibt sich aus einen Grundsatzurteil, das der Ehrenrat des FC Schalke 04 in der Nacht zu Mittwoch gefällt hat. In Ordnung ist das natürlich nur in Verbindung mit einer halbherzigen Entschuldigung. Der Ehrenrat befand, die Meinungsäußerung stünde zwar nicht im Einklang mit der Vereinssatzung des FC Schalke 04 und dem im Leitbild verankerten Diskriminierungsverbot bei dem Fußball-Bundesligisten, dessen Aufsichtsrat Tönnies ja bis Dienstagabend war und bald wieder sein wird, ist aber auf keinen Fall rassistisch. Und darauf kommt es schließlich an.

Tönnies hatte ja nur beim Tag des Handwerks in Paderborn in der vergangenen Woche Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren.“

Selbst-Suspendierung: Erfindung aus dem Radsport

Schön auch, dass es im Sport die Erfindung der Selbst-Suspendierung gibt, die – man ahnt es fast – aus dem Radsport kommt, wo sich ehedem ein ehemaliger Profi als Trainer rückwirkend wegen Dopings sperrte. In der rennfreien Zeit natürlich, damit es besonders wehtut. Clemens Tönnies lässt nun ebenfalls sein Amt für drei Monate ruhen. Das hat er nach seiner Einvernahme durch Schalkes Ehrenrat bekanntgegeben, was ebendieser „zustimmend zur Kenntnis“ nahm.

Lesen Sie in den nächsten Teil von „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“: Hans Wurst. Oder – erst denken, dann reden. Folgt in drei Monaten. Bis dahin lässt der Autor sein Amt ruhen. Und: Entschuldigung schon mal für diesen Kommentar. Er ist in der Wahl seiner Worte unangemessen.