Leipzig/Berlin - Am Sonnabend bestätigte RB Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, was gefühlt schon vorher klar war: Timo Werner, deutscher Nationalstürmer und seit 2016 für die Leipziger aktiv, wird seinen 2020 auslaufenden Vertrag mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht verlängern.

Recht schnell erzählt ist, was dieser Abgang für den Champions-League-Teilnehmer in spe bedeutet: RB Leipzig, einst als langfristiger Konkurrent für den FC Bayern aus dem Markranstädter Boden gestampft, hat im zehnten Jahr seiner Existenz seinen Platz im deutschen Fußball gefunden. Der rote Bulle ist in seinem Handlungsspielraum eingepfercht zwischen Teams wie Mönchengladbach oder Leverkusen. Ein weiterer „Ausbildungsverein“, der regelmäßig international spielt, seine Stars am Ende aber gegen die Branchengrößen des Fußballs nicht halten kann. Da kann Macher Ralf Rangnick noch so viele Machtworte sprechen wie im vergangenen Sommer beim wechselwilligen Emil Forsberg − Spieler vom Kaliber eines Naby Keita oder eben eines Timo Werner zieht es nach Anfield, Bernabeu, Camp Nou oder an die A9, wo der FC Bayern kickt.

Kein Weltklassestürmer

Was jedoch ein potenzieller Wechsel für Werner selbst bedeutet, ist weniger offensichtlich. Denn: Timo Werner ist (noch) kein Weltklassestürmer. Ihm fehlt das einzigartige offensive Stellungsspiel und die unbedingte Gier nach Toren, die Robert Lewandowski auszeichnet, dem er beim FC Bayern Konkurrenz machen soll. Und in der Rolle des „kompletten Stürmers“ käme Werner, der bei RB Leipzig in einem Spiel auch schon mal gänzlich abtaucht, beim ebenfalls interessierten FC Liverpool aktuell nicht an Roberto Firmino vorbei, der diese Rolle weltweit wie kein Zweiter ausfüllt.

Für Werners Zukunft muss entscheidend sein, in welchem Umfeld er sich am besten entwickeln kann. In einem perfekt eingespielten Starensemble an der Mersey, wo Trainer Jürgen Klopp als Bessermacher die Fäden zieht, die Einsatzzeiten aber begrenzt wären? Beim müde gespielten deutschen Rekordmeister im Umbruch, bei dem niemand so ganz genau weiß, ob der Trainer im Spätsommer noch derselbe ist?

In Leipzig heißt der Trainer im Spätsommer Julian Nagelsmann. Der 31-Jährige kitzelt aus seinen Spielern regelmäßig Topleistungen heraus. Zudem wird Timo Werner in Leipzig von den Fans geliebt, hat im Normalfall einen Stammplatz. Womöglich liegt die richtige Antwort für die Frage nach Werners mittelfristiger Zukunft also näher als gedacht.