München - Noch ist nicht ganz klar, was Uli Hoeneß plant. Es ist nicht einmal bestätigt, dass er sich als Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern zurückziehen und diese Ämter an seinen Freund, den Aufsichtsrats-Stellvertreter und ehemaligen Chef des Anteilseigners Adidas, Herbert Hainer, übergeben will. Doch allein der Umstand, dass die Bild mit ihrer Nachricht auch viele Entscheidungsträger im Verein überrumpelte, deutet auf Indiskretionen im Verborgenen hin, die viel darüber erzählen, dass einiges ins Rutschen geraten ist beim deutschen Branchenführer. Und dass Hoeneß sich bis zur Sitzung des Verwaltungsbeirats, der die Aufsichtsräte wählt und den Präsidenten vorschlägt, nicht erklären will, kündet von Kalkül, womöglich auch von Trotz und Verdruss.

Es liegt noch Vieles im Ungefähren, auch die Frage, warum und wie der Hoeneß-Rückzug jetzt an die Öffentlichkeit kam. In jedem Fall umweht die Meldung des Tages und vielleicht gar des Fußballsommers der Eindruck, dass es eher keinen Umbruch im Guten in der Klubführung geben dürfte. Vielmehr scheint ein markanter Einschnitt in der Vereinsgeschichte bevorzustehen, bei dem manche Gräben durchaus offen zutage treten könnten.

Reibung mit Rummenigge

Mit dem Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat sich Hoeneß seit jeher gerieben. Doch die unterschiedlichen Steuermänner, der emotionale Hoeneß und der kühle Rummenigge, schafften es immer, sich im Interesse des FC Bayern zusammenzuraufen. Nach der Entscheidung Ende September 2017, den damaligen Trainer Carlo Ancelotti zu beurlauben, passe kein Blatt Papier mehr zwischen ihn und Rummenigge, hatte Hoeneß verkündet. 

Doch die andauernden Differenzen, wie schon bei der Sportdirektoren- und Trainersuche, blieben. Auch zuletzt, als die beiden Alphatiere unterschiedliche Positionen zu Trainer Niko Kovac einnahmen oder Hoeneß mehrfach vollmundig weitere bisher ausgebliebene Transfers ankündigte und zugleich dem langjährigen Innenverteidiger Jérôme Boateng riet, das Weite zu suchen, war Rummenigge alles andere als begeistert. Jüngst verwies der AG-Chef öffentlich auf eine Unterredung mit Hoeneß, wonach es besser sei, sich künftig weniger zu Transferaktivitäten zu äußern. Intern dürfte diese Maßregelung noch strenger ausgefallen sein.

Massive Kritik

Mehr Einfluss auf Hoeneß nehmen zu wollen, hatte Rummenigge schon im November angekündigt. Auf jener für Hoeneß einschneidenden Jahreshauptversammlung, auf der er sich massiver Kritik eines beträchtlichen Teils der Mitglieder ausgesetzt sah. „Was uns immer eint, ist das eine große Ziel, das über allem steht: das Wohl des FC Bayern“, hatte Rummenigge zuvor gesagt und Hoeneß für sein Lebenswerk gelobt. Er sagte jedoch auch: „Ich werde dir in Zukunft meine rechte Hand auf den Oberschenkel drücken, wenn ich merke, du wirst unruhig. Damit du nicht irgendwann explodierst.“ Zuletzt hatte Rummenigge Hoeneß vermehrt seine Hand auf den Oberschenkel gedrückt, auch öffentlich, seiner Meinung nach zum Wohl des FC Bayern. Dem Machtmenschen Uli Hoeneß dürfte das nicht gefallen haben.